Deutsche Finanzbeamte messen mit merkwürdiger Elle. Seit 1969 versucht das Bundesfinanzministerium vergeblich, der Abschreibungsbranche das Rückgrat zu brechen. Ein legitimes Ziel angesichts der Tatsache, daß hochverdienende Einkommensbezieher über diese Branche Steuergelder in Vermögen umwandeln können. Normalverdienern bleibt diese Möglichkeit verschlossen.

Umso mehr muß es verwundern, wenn jetzt Maßnahmen ergriffen werden, die eine weitere Ungerechtigkeit schaffen. So beschlossen die obersten Finanzbehörden der Länder auf Initiative des bayerischen Staatsministers für Finanzen, Abschreibungsgesellschaften, die im Ausland nach Öl und Gas bohren, künftig keine vorläufigen Verlustbescheinigungen mehr auszustellen. Inhaber bereits erteilter Genehmigungen durch Finanzämter über die voraussichtliche Höhe der steuerlich anerkannten Verluste müssen ebenfalls damit rechnen, daß diese wieder eingezogen werden. Sie erlauben es Geldanlegern, die sich als Kommanditisten an der Ölsuche beteiligen, häufig bis zu 200 Prozent ihres eingesetzten Beteiligungskapitals vom steuerpflichtigen Einkommen abzusetzen.

Die neue Maßnahme mag dem Bundesfinanzminister gefallen. Unverständlich, ja geradezu grotesk muß jedoch die Tatsache erscheinen, daß alle anderen Abschreibungsobjekte die Behördengenehmigung weiterhin bekommen. Damit werben dann die "Unternehmer" private Kapitalgeber, unabhängig davon, ob die dahinterstehende Aktivität wirtschaftlich überhaupt sinnvoll ist. jfr.