Von Dietrich Strothmann

Vom Untergrund in den Glaspalast der Vereinten Nationen – Yassir Arafat, Chef der Fatah-Freischärler und der Palästinensischen Befreiungsfront, hat es geschafft. Nach seinem siebenjährigen Krieg, den er mit den Mitteln des Terrors auch gegen Zivilisten und im Ausland gegen Israel führte, hat ihn die große Mehrheit der 138 Mitgliedstaaten in den Vereinten Nationen offiziell für politisch gesellschaftsfähig erklärt.

Was bisher nur Papst Paul zugestanden wurde, billigte das Weltforum auch dem bärtigen, bewaffneten Chefpartisanen zu: Obwohl Arafat kein Präsident, kein Premierminister eines Staates ist, durfte er vor der Vollversammlung sprechen. Es war, wie er danach auf einem Empfang erklärte, der ihm zu Ehren arrangiert wurde, sein bisher größter Triumph. Und bedenkt man die Folgen dieses Durchbruchs, so hat der libanesische Politiker Pierre Geymayel den Mund nicht zu voll genommen: Die Anerkennung Arafats durch die Völkerfamilie sei eine "große Kommandoaktion, die eine Million Gewehre aufwiegt".

Die in der Palästinensischen Befreiungsfront (PLO) zusammengeschlossenen Guerilla-Gruppen, die 1970 in Jordanien einen Bürgerkrieg entfesselten, im Libanon schon einige Regierungen zu Fall brachten, im besetzten Westjordanien erfolglos blieben, im Ausland durch Flugzeugentführungen und Mordanschläge Schrecken verbreiteten, zuletzt in Israels Städten Blutbäder anrichteten – sie werden von nun an bei der Entscheidung über Krieg und Frieden im Nahen Osten mitwirken.

Lange Zeit war Arafat schon politisch totgesagt. Nach seiner schweren Niederlage in Amman (1970/71), nach den Rückschlägen in Beirut, seinen erfolglosen Widerstandsaktionen gegen die Israelis und nach den organisierten Mord- und Erpressungsfällen in Europa, die Abscheu hervorriefen, schien seine "Revolution" gescheitert zu sein. Erst der arabische Teilsieg vom Oktober 1973, die erpresserische Wirksamkeit der Ölwaffe in der westlichen Welt, schließlich auch die hartnäckige Weigerung der Israelis, das Palästina-Problem als Teil des Nahost-Problems zu akzeptieren, verhalfen auch ihm dazu, seine Reputation als Kämpfer für "Recht und Freiheit" zurückzugewinnen.

Schon während der arabischen Gipfelkonferenz in Algier (1973) wurde seine Organisation als die einzige und legitime Vertretung der Palästinenser anerkannt; vor wenigen Wochen wurde ihm dann in Rabat von den zwanzig Staatschefs, auch von König Hussein, das Anrecht auf einen eigenen Staat in "jedem von Israel befreiten Gebiet" zugestanden. Und nun wurde Yassir Arafat von den Vereinten Nationen, in denen die Staaten der Dritten Welt den Ton angeben, wie ein Staatsoberhaupt gefeiert.

Erwies sich der von den Israelis als "Chef einer Mörderbande" eingestufte Palästinenser-Patron dort auch als ein Staatsmann, der willens ist, endlich auch politisch verantwortlich zu handeln? Solche Hoffnungen, die vor allem von seinen verhandlungsbereiten Gönnern, dem Ägypter Sadat und dem Saudi-Araber Feisal, genährt worden waren, haben bisher getrogen. Arafat forderte ein weiteres Mal alles oder nichts – den "säkularen, demokratischen Staat Palästina, in dem Christen, Juden und Moslems in Gerechtigkeit, Gleichheit und Brüderlichkeit zusammenleben können", die "Erfüllung seines Traums"; oder die unerbittliche, blutige Fortsetzung des Kampfes gegen den "imperialistischen, rassistischen, kolonialistischen Zionismus", von dem er, Yassir Arafat, die Israelis befreien wolle: "Die palästinensische Revolution findet auch für die Juden statt."