Der Aktienkurs der Hapag/Lloyd AG, der größten Reederei der Bundesrepublik, ist in letzter Zeit im Steigen. Der Grund: Börsianer machen sich Hoffnungen auf eine Dividende von 6 (4,50) Mark je 50-Mark-Aktie, obwohl das Unternehmen 1974 ein größeres Kapital zu bedienen hat als im Jahr zuvor. Aber die Reederei hat gut verdient, so gut, daß davon auch die Aktionäre etwas merken sollten, was bei Reedereien bekanntlich nicht immer selbstverständlich ist.

Die gegenwärtig gute Situation hat den Vorstand ermutigt, ein bis 1978 reichendes Investitionsprogramm von 1,3 Milliarden Mark in Angriff Zu nehmen. Den größten Teil davon hat der Auf sich tonat bereits genehmigt. Großaktionäre der Reederei sind die Deutsche Bank und die Dresdner Bank. Diese Summe ist nicht ohne eine weitere Kapitalerhöhung aufzubringen. Deshalb müssen die Aktionäre pfleglich behandelt werden. Wenn eine Kapitaltransaktion auch nicht unmittelbar bevorsteht und wohl frühestens 1976 akut werden wird, so ist eine kontinuierliche Kurspflege unerläßlich. Andernfalls müßte man sich mit einem bescheidenen Ausgabepreis für die jungen Aktien begnügen.

Die Investitionen umfassen neue Schiffe über Flugzeuge bis zu Spezialgeräten für das Offshore-Geschäft. Schwerpunkt bleibt aber die Linienfahrt. Und hier soll die Nordatlantik-Flotte durch neue Schiffe (Container) ersetzt werden. Ob die jetzt dieses Fahrtgebiet bedienenden Fahrzeuge verkauft oder an anderer Stelle eingesetzt werden, ist noch nicht entschieden. "Es muß einem deutschen Reeder erlaubt bleiben, Schiffe zu verkaufen", erklärte Vorstandsvorsitzender Hans Jakob Kruse mit Blickrichtung auf jene, die den Verkauf deutscher Schiffe an Ausländer als ein "Verbrechen am deutschen Seemann" ansehen. K. W.