Feuilleton

Wir Extremisten

Das Präsidium unseres Verbandes hat mich gebeten, Ihnen, Herr Bundespräsident, dafür zu danken, daß

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DIE ZEIT

Willkür

Heute ist es Südafrika, das von den Beratungen und Abstimmungen der UN-Vollversammlung ausgeschlossen wird; morgen wird es vielleicht Israel sein, dessen Rederecht bereits eingeschränkt wurde.

Appell aus Amerika

In seinem dramatischen Appell von Chikago hat Henry Kissinger versucht, den Westen mit Woodrow Wilsons Optimismus aufzumöbeln: "Die großartigste und beste Art von Effizienz wird dann erreicht, wenn freie Völker spontan zusammenarbeiten.

Falsche Advokaten

Vor über zwei Jahren hatte Heinrich Böll im Streit mit dem nordrhein-westfälischen Justizminister Posser um die Bewertung der Baader-Meinhof-Gruppe konstatiert, daß Worte wie "verfolgt", "Gnade" und "Kriminalität" für ihn, den Schriftsteller, ganz andere Dimensionen hätten als für einen Juristen oder Polizeibeamten.

Entspannung im Wartestand

Henry Kissinger hat die "Herausforderung an unsere Zeit" einst so formuliert: "Wir müssen eine internationale Ordnung errichten, bevor sie uns durch eine Krise als Notwendigkeit aufgezwungen wird.

Ein Sieg der Vernunft

Das Ergebnis der griechischen Parlamentswahlen ist nicht nur ein großer Sieg für Konstantin Karamanlis. In einem Lande, das in seiner jüngeren Geschichte stets zwischen den Extremen des hellenischen Temperaments hin und her schwankte, markiert es zugleich einen Triumph der demokratischen Grundtugend: der Vernunft.

Worte der Woche

"Da, wo das Leben der Menschen, das der anderen und das eigene, zum bedenkenlosen Mittel einer politischen Kriegsführung gemacht wird, wird für die Erhaltung der Freiheit eingestanden werden müssen, oder diese freiheitliche Zivilisation wird einer neuen Gewaltherrschaft Platz machen.

Zeitspiegel

In den frühen achtziger Jahren wird der Durchschnittsbrite den gleichen Lebensstandard haben wie der Durchschnittsspanier. Diese ernüchternde Prognose hat soeben das Hudson Institute unter der Leitung des Futurologen Herman Kahn erstellt.

Am straffen Zügel

Die Ankündigung verhieß einen schmerzhaften Eingriff. "Der Gang zum Zahnarzt", so diagnostizierte vor einem halben Jahr der Vorsitzende des 60 000 Mitglieder starten SPD-Bezirkes Franken, Bruno Friedrich, "läßt sich nicht mehr vermeiden.

Die FDP sorgt sich um ihr Profil

Seit Helmut Schmidts Kanzlerschaft heißt es, die Phase der Entente cordiale im Bonner Bündnis zwischen SPD und FDP sei von einer reinen Interessenkoalition abgelöst.

Schnüffelpost für Pullach:: Heysing an Gehlen

1. Mit großen Bedenken wird von – in die "innere Führung des Verlages" eingeweihten – Sachverständigen das sinnlose Geldausgeben von Verleger Bucerius und Chefredakteur Nannen beobachtet und kritisiert.

Und es gab doch Dossiers

Nun wissen wir es also: Günter Guillaume hätte nie im Bundeskanzleramt angestellt werden dürfen. Dies jedenfalls ist das Ergebnis, zu dem die Eschenburg-Kommission in ihrem 120 Seiten starken Untersuchungsbericht gelangt ist, der am Montag in Bonn veröffentlicht wurde.

Wolf gang Ebert: Der Vetter aus Dingsda

"Der ist also noch gerissener als der Guillaume. Ich habe bereits in den drei Jahren, in denen er mein Mitarbeiter war, festgestellt, daß das ein völlig undurchsichtiger Mann ist.

Kontroverse Visite

Wie immer man die Japanvisite des amerikanischen Präsidenten Ford betrachtet – sie bleibt kontrovers. Der Zeitpunkt ist fragwürdig; ein Sicherheitskordon wird den Besucher praktisch von der japanischen Öffentlichkeit isolieren; im übrigen trifft er auf einen japanischen Ministerpräsidenten, über dem sich die Wolken des Skandals immer dichter zusammenballen.

Ein neuer Anlauf an der Weichsel

Hoffnung gibt immerhin die Gewißheit, daß Schmidt und Gierek eine Übereinkunft dringend wünschen. Der Kanzler will das Polen-Problem endlich lösen, und der polnische Parteichef möchte möglichst bald ein Ergebnis haben, das ihm erlaubt, die Reihe seiner erfolgreichen Auslandsbesuche fortzusetzen und im Frühjahr 1975 die Bundesrepublik zu besuchen.

Erfolg Arafats vor den UN

Als Triumph für die Sache der Palästinenser wertet die arabische Öffentlichkeit die Rede Yassir Arafats, Chef der Palästinensischen Befreiungsfront PLO, vor den Vereinten Nationen.

Präsident Ford in Japan

Mit den schärfsten Sicherheitsmaßnahmen seiner Geschichte empfing Japan am Montag den amerikanischen Präsidenten Ford. Sogar Ministerpräsident Tanaka hatte aus Sicherheitsgründen auf die persönliche Anwesenheit am Flugplatz verzichtet und seinen Protokollchef zum Empfang geschickt.

"Eile ging vor Sorgfalt"

Pflichtverletzungen, ungenügende Sorgfalt, fehlende Kooperation und Strukturmängel hat die Eschenburg-Kommission im Zusammenhang mit der Affäre Guillaume bei den damit befaßten Dienststellen festgestellt.

Blauer Dunst

Der 34-Milliarden-Etat des Landes Nordrhein-Westfalen für 1975, vom prahlenden Finanzminister als "Sparhaushalt" dem Landtag präsentiert, hatte müde Politiker munter gemacht.

Kein Salutschuß

Mit der Wahl des Frankfurter Baudezernenten Hanns Adrian (43) zum Stadtbaurat hat der Rat von Hannover in der vorigen Woche den Schlußpunkt hinter einen von der CDU entfachten Streit gesetzt, der für niedersächsische Verhältnisse ungewöhnlich scharf geführt worden war.

Bahn frei für Behinderte

Samstag, sechzehnter November, Frankfurter Hauptbahnhof: Im Schalterraum des Bahnhofs treffen sich Rollstuhlfahrer und Nicht-, behinderte.

Gebrannte Kinder

Selbst ein so renommierter Fachmann wie Frankfurts alter und Hannovers neuer Baudezernent Hans Adrian mußte seine Meinung ändern.

Um Israels Vergangenheit und Zukunft: Jude ist nicht gleich Jude

Zionismus ist für Antizionisten ein fest umrissener Begriff, ob es sich um Araber handelt oder um die europäische Linke. Der Zionismus ist für sie eine Ideologie des Kolonialismus oder Imperialismus, den der jüdische Staat in Palästina und darüber hinaus ausübt.

Ein aufwühlender Katalog der Schande

Klaus Drobisch/Rudi Goguel/Werner Müller/Horst Dohle: "Juden unterm Hakenkreuz. Verfolgung und Ausrottung der deutschen Juden 1933–1945"; VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1973; 437 Seiten, 19,80 DM.

Zeitmosaik

Heftig attackiert haben CDU- sowie CDU/CSU-Kreise im Bundestag und im niedersächsischen Landtag die Berichterstattung der "Tagesschau" und einen Kommentar Peter Merseburgers über den Tod von Holger Meins und die Ermordung des Berliner Richters Günter von Drenkmann.

Die neue Schallplatte

Vor einhundert Jahren wurde in einem kleinen Provinznest des amerikanischen Bundesstaates Connecticut ein Mann geboren, der vielleicht als erster Komponist sich in seinem Stil bewußt und unterschwellig zugleich vom Europäischen absetzte und etwas schrieb, das man als typisch ansehen könnte für das Amerika des beginnenden 20.

Krähwinkel in uns

Noch lachen wir! Doch könnte uns das Lachen rasch vergehen. Kopfscheue Beamte und Funktionärsgremien maßen sich die Rolle von Kunstrichtern an und klappern mit der Schere der Zensur.

Eine Krise gibt es nicht

Von allen guten Geistern sind die Liberalen und die Linken denn doch noch nicht verlassen...................................

Kein Leben ohne Kunst

Der k.u.k.-Artillerieoffizier Laszlo Moholy-Nagy, 1917 in Rußland verwundet, begann während der Rekonvaleszenz zu zeichnen. "Die Zeichnungen", so erinnerte er sich später, "wurden zu einem rhythmisch artikulierten Netzwerk von Linien, das nicht so sehr die Gegenstände zeigte, als die Erregung, die sie in mir hervorriefen.

Vergangenheit bewältigt

Weise Voraussicht ließ einen englischen Kritiker schon nach der Londoner konzertanten Uraufführung von Hans Werner Henzes "Tristan" hoffen, eine getanzte Version, die Pariser Choreographie durch Glen Tetley, werde weiteren und notwendigen Aufschluß über Henzes verschachtelte Partitur geben – ließ ihn aber auch nicht ausschließen, daß es dem Ballett auf eine solche Durchdringung der Musik vielleicht gar nicht ankommen werde.

Die weiße Überheblichkeit

Manpura ist eine Insel im Mündungsgebiet des Brahmaputra. Die Flutkatastrophe von 1970 traf sie besonders hart. Deshalb entschloß sich die Organisation "Brot für die Welt", den Bewohnern von Manpura zu helfen.

Heiterer Sozialismus

In unseren Theatern gibt es lautlose interne Konflikte. Die Dramaturgen holen allmählich einen Gorkij nach dem anderen hervor.

Am Anfang war der Schein

Saul Steinberg schreibt: "Ich betrachte gern die wunderbaren Wolken. Ich sehe welche, die mit dem Pastellstift gemacht sind, welche, die aquarelliert sind, manchmal ist eine ganze Ausstellung verschiedener Stile am Himmel zu sehen .

Kunstkalender

Schade, daß die Veranstalter (die Neue Gesellschaft für bildende Kunst) so kurzsichtig am Thema vorbeigeschielt haben. Der Untertitel der Ausstellung, "Legende und Wirklichkeit", besagt es, der Katalog belegt es: Es geht nicht um die Kunst der Revolution (die Daten, die über die Geschichte der Wandmalerei und die großen Muralisten Rivera, Siqueiros, Orozco und ihre Kollegen informieren, folgen erst auf ein paar Schlußseiten), sondern um politische Besserwisserei.

Die verstümmelten Gefühle

Ein Kind ist im Meer ertrunken. Die Eltern (Ruth und Karl, Leute um die Vierzig) sitzen am Strand und warten. Warten, weil man ihnen gesagt hat, die Flut werde die Leiche des Kindes anschwemmen; warten und reden und (hier ist die Redensart so schrecklich wie präzise) vertreiben sich die Zeit.

Eine der Ernsthaftesten

Sie lebe gerne, schreibt sie in ihrem Lebensprotokoll "Danke für die Blumen", und habe Angst, den Tod bewußt erleben zu müssen.

Kamera im Leben

Vittorio de Sica hat als Regisseur und vor allem als Schauspieler ein umfangreiches filmisches Oeuvre hinterlassen. Aber obgleich seine Schauspielerkarriere bereits 1928 begann und sich de Sica schon vor 1940 als Hauptdarsteller musikalischer Komödien in Italien außerordentlicher Popularität erfreute, kann man sein eigentlich bedeutendes Werk eingrenzen auf die Zeit zwischen 1943 und 1952; es beginnt mit "I bambini ci guardano" ("Kinder sehen uns an") und endet mit "Umberto D.

Filmtips

Drei Schwestern, drei erbarmungslose, skrupellose Porträts – mit kühler, formaler Strenge eher seziert als inszeniert; Leidenschaften und Ekstasen, qualvolles Sterben, gewagte Situationen, fiebrige Seelenlandschaften in einem Film von einer Schönheit und Vollkommenheit, die bei der Kritik feierliche Andacht oder hilflose Aggression erzeugten.

Ihr Kampf

Dieses Buch bezeugt einen einzigen Kampf gegen Mauern und Ketten............................................................

Von ZEIT-Mitarbeitern

Harald Steffahn: "Du aber folge mir nach." Die gebieterische Aufforderung Jesu am See Genezareth: "Du aber folge mir nach" hat Schweitzer noch nach fast 2000 Jahren als persönlichen Ruf verstanden und dafür eine theologische und künstlerische Doppelkarriere aufgegeben.

Liselotte von der Pfalz

Pierre Mignard, am Hofe des Sonnenkönigs geschätzt als Porträtist, hat das Bildnis der ungefähr fünfundzwanzigjährigen Herzogin von Orleans, Schwägerin Ludwigs XIV.

Die Kinder vor dem Flimmerkasten - aggressiv?

"Aggression und Fernsehen – Gefährdet das Fernsehen die Kinder?"; ein ELTERN-Buch von Alphons Silbermann, Robert M. Liebert, Heribert Heinrichs, Theodor Hellbrügge und Udo Undeutsch; Reihe: Jugend – Bildung – Erziehung; Katzmann-Verlag, Tübingen, 1974; 96 S.

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