Das Buch dieses DDR-Autorenkollektivs präsentiert sich als "das erste umfassende marxistische Werk zur Geschichte der faschistischen Judenverfolgung":

Klaus Drobisch/Rudi Goguel/Werner Müller/Horst Dohle: "Juden unterm Hakenkreuz. Verfolgung und Ausrottung der deutschen Juden 1933–1945"; VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1973; 437 Seiten, 19,80 DM.

Ein Fünftel der Teamarbeit ist einer Vorgeschichte eingeräumt, die Kaiserreich und Republik umspannt; andere Teile behandeln die Ausrottung des europäischen Judentums während der Naziokkupation. Erhebliche Partien befassen sich mit der stets glorreichen Rolle der KPD. Jedoch verliert das Schicksal der deutschen Juden nie seinen Mittelpunkt in der Darstellung. Hier ist auf breiter Quellenlage fleißig gearbeitet worden.

Originalquellen sind allerdings nur selten ausgeschöpft. Westlich-bürgerliche und jüdische Historiographie werden lediglich hereininterpretiert und der üblichen Polemik unterworfen, sonst wird fast nur publiziertes DDR-Material herangezogen. Das ist bedauerlich, da "bürgerlichen" Historikern der Zugang zu sogenannten Judenakten in der DDR meistens nicht zugestanden wird, deren Eröffnung gerade unser Wissen um die Aktivität der jüdischen Organisationen bereichert hätte.

Das ideologische Mäntelchen ist am Herstellungsort obligatorisch, ein Lehrbuch über den Klassencharakter des Antisemitismus bleibt uns also nicht erspart. Klassenkämpfe werden von der Monopolbourgeoisie in Rassenkämpfe verwandelt und Judenfeindschaft geschickt als Ablenkungsmanöver gesteuert. Verfolgung und Ermordung politischer Gegner und ganzer Bevölkerungsgruppen "sind dem Imperialismus systemimmanent".

Es haben alle Kriegervereine ihre Zicken, aber den "Reichsbund jüdischer Frontsoldaten" zu bezichtigen, er habe durch seine reaktionäre Politik den Widerstand gegen die Nazidiktatur gelähmt, ist purer Unsinn. Daß der "Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" nicht nur den Antisemitismus, sondern auch den Faschismus bekämpfte, dies in enger Anlehnung an die sozialistische Arbeiterschaft, ist erwiesen. Gewiß haben sich dann 1933 viele Juden anfänglich in trügerischem Optimismus gewiegt und die nationalsozialistische Herrschaft als ein vorübergehendes Phänomen betrachtet. Aber wer hat nicht geirrt und gefehlt, einschließlich der makellosen KPD?