Durch den größten Wahlsieg in der Nachkriegsgeschichte Griechenlands konnte sich der bisherige griechische Ministerpräsident Karamanlis am Sonntag eine solide parlamentarische Basis für die nächsten vier Jahre sichern. Seine konservative Partei "Neue Demokratie" errang mit 54,5 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit. Im Parlament eroberte sie 213 von 300 Sitzen.

Die liberale Zentrumsunion des bisherigen Außenministers Mavros muß sich mit 20,4 Prozent und 64 Mandaten begnügen, Andreas Papandreous Panhellenistische Sozialistische Bewegung kam mit 13,6 Prozent und 12 Abgeordneten nur auf den dritten Platz. Der Rest der Stimmen (11,5 Prozent) verteilt sich auf über 40 Splitterparteien, darunter die Kommunisten, die erstmals seit ihrem Verbot am Ende des Bürgerkriegs vor 25 Jahren wieder Kandidaten aufstellen durften.

Noch am Tag vor der Wahl hatte der 67jährige Regierungschef seinen Landsleuten auf einer Wahlkundgebung ins Gewissen geredet: "Wenn ihr mir nicht eine überwältigende Mehrheit gebt, warum habt ihr mich dann zur Rettung des Landes zurückgerufen?" Er hatte auf das Verdienst seiner Regierung verwiesen, "das diktatorische Staatsgefüge demontiert und die demokratische Legalität wiederhergestellt" zu haben.

Nachdem die Wähler diese Verdienste honoriert und dem konservativen Staatsmann nach elfjährigem Exil zu seinem bisher größten politischen Erfolg verholfen haben, zeigte Karamanlis sich kooperativ: "Laßt uns nun unsere Differenzen aus der Zeit vor der Wahl vergessen und gemeinsam hart für das Wohl der Demokratie arbeiten." Insbesondere müsse das Zypernproblem gelöst werden. Er bezeichnete das Wahlergebnis als Triumph der Demokratie nach sieben Jahren der Tyrannei.

Die sechs Millionen stimmberechtigten Griechen, die jetzt zum erstenmal seit zehn Jahren und neun Monaten wieder ein freies Parlament gewählt haben, werden am 8. Dezember erneut ihrer Wahlpflicht (von 21 bis zu 70 Jahren) nachzukommen haben. Diesen Termin hat Karamanlis für den Volksentscheid über die zukünftige Staatsform anberaumt.

Am 29. Juli 1973 hatte das Volk die Proklamation der Republik durch Oberst Papadopoulos mit 78,7 Prozent gebilligt. Der Chef der Militärregierung war gleichzeitig zum Staatspräsidenten avanciert. Die letzte Verfassung des Obristenregimes ist inzwischen aufgehoben, die Konstitution von 1952 wieder in Kraft gesetzt worden. Dennoch will Karamanlis durch ein Referendum die Fronten klären lassen. Viele Parteien (Zentrumsunion, Panhellenistische Sozialistische Bewegung, Vereinigte Linke) wünschen die Beibehaltung der Republik. Die Neue Demokratie des Ministerpräsidenten hat sich bisher nicht eindeutig festgelegt. Karamanlis, der 1963 nicht zuletzt wegen seiner Differenzen mit dem jungen König Konstantin außer Landes gegangen war, hat sich alle Möglichkeiten offengelassen.

Die Royalisten erhoffen im Vertrauen auf die konservativen Wähler die Rückkehr des 34 Jahre alten Königs aus dem Londoner Exil. Konstantin hatte Griechenland Ende 1967 verlassen, nachdem ein von ihm unterstützter dilettantischer Putschversuch gegen das Obristenregiment gescheitert war.