Hannover

Mit der Wahl des Frankfurter Baudezernenten Hanns Adrian (43) zum Stadtbaurat hat der Rat von Hannover in der vorigen Woche den Schlußpunkt hinter einen von der CDU entfachten Streit gesetzt, der für niedersächsische Verhältnisse ungewöhnlich scharf geführt worden war. Jahrelang hatten die Christdemokraten, durch konsequente Ämterpatronage der mit absoluter Mehrheit regierenden SPD frustriert, gegen SPD-Dezernentenbewerber gestimmt oder erfolglos eigene Kandidaten aufgeboten. Im Streit um Adrian, der am 1. März 1975 Nachfolger von Professor Rudolf Hillebrecht (64) wird, boten sie eine Uraufführung: Sie machten den Neuling mit einer Flugblattaktion öffentlich schlecht.

Damit eskalierte eine Attacke, die sich zunächst nur gegen die SPD gerichtet hatte. Die CDU fühlte sich brüskiert. Einer zur Vorauswahl der Stadtbaurats-Kandidaten gebildeten Ratskommission war, ehe sie zum erstenmal getagt hatte, von der SPD die Arbeit abgenommen worden. Nachdem zwanzig Bewerbungen keinen auf Anhieb überzeugenden Kandidaten erbracht hatten, ermunterten die Sozialdemokraten ihren Parteifreund Adrian, sich zu bewerben. Er war von 1961 bis 1970 – zuletzt als Leiter der Stelle für Sonderplanungen – in der hannoverschen Bauverwaltung tätig gewesen, und bei seinem Fortgang nach Frankfurt hatten viele in ihm bereits den Hillebrecht-Nachfolger gesehen. Kaum hatte Adrian jetzt seinen Brief abgeschickt, wurde die Bewerbung in Hannover publik, und damit waren – wollte man Adrian nicht bundesweit desavouieren – die Weichen gestellt.

Die CDU beschränkte sich zunächst darauf, das Vorgehen der SPD zu rügen. Adrian, den sie früher nie kritisiert hatten, ließen die Christdemokraten zu Anfang ungeschoren. Der CDU-Fraktionsvorsitzende, Wilhelm Freckmann, äußerte sich sogar noch mit gemäßigtem Wohlwollen über den Bewerber.

Vier Tage später wich das milde Klima jedoch einem Kälteeinbruch. "Scharfmacher in der Fraktion", so ein CDU-Fraktionsmitglied, brachten es zuwege, daß in einer Presseerklärung Adrians fachliche Qualitäten in Zweifel gezogen wurden. Wenig später verteilte der CDU-Kreisverband auf Hannovers Straßen ein bebildertes Flugblatt, das Adrian die Mitverantwortung für sieben umstrittene hannoversche Planungsobjekte vorwarf.

Diese spektakuläre Aktion rief Stadtbaurat Hillebrecht auf den Plan. In einem offenen Brief wies er nach, daß Adrian nur für eine der sieben Arbeiten – nur ein Diskussionsentwurf – die Verantwortung trägt. An drei Plänen war er überhaupt nicht oder nur am Rande beteiligt, in den restlichen drei Fällen entsprach die spätere Realisierung nicht Adrians Ideen. Hillebrecht über das CDU-Flugblatt: "Ein Fehlgriff, den ich für außerordentlich bedauerlich halte."

Adrian selbst umriß den politischen Hintergrund: "Weder das peinliche Lob Herrn Dreggers (des hessischen CDU-Landesvorsitzenden), im sei einer der bedeutendsten Städteplaner (womit er die Frankfurter SPD ärgern wollte), noch das Flugblatt der CDU, das mich als nachträglich umstrittenen Supermann darstellt, der aus dem dritten Glied heraus an Amtsleiter, Stadtbaurat, Oberstadtbaurat und Rat vorbei die ganze hannoversche Bauszenerie beherrschte (womit sie die hannoversche SPD ärgern wollte), scheinen mir ernste Diskussionsbeiträge zu sein."