Veba-Chef Bennigsen-Foerder will seinen neuen Großaktionär auf Distanz halten

Von Heinz-Günter Kemmer

Rudolf Christian v. Bennigsen-Foerder, 48, kann aufatmen. Der Umtausch von Aktien der Essener Gelsenberg AG in Anteilscheine seiner Veba AG hat zufriedenstellend begonnen – es müßte schon Seltsames geschehen, wenn die Veba bis zum 17. Dezember, dem letzten Umtauschtag, nicht im Besitz von mindestens 90 Prozent des Gelsenberg-Kapitals wäre.

Wenn dieses Ziel erreicht ist, dann hat der Vorstandsvorsitzende der Düsseldorfer Veba Grund zu Stolz und Freude. Nur dank seiner Beharrlichkeit und Überredungskunst übernimmt nämlich die Veba im zweiten Anlauf die Gelsenberg AG: Was seinem Vorgänger Heinz P. Kemper mißlang, ist Bennigsen dann gelungen. Seit in Bonn die Idee von einem nationalen deutschen Ölkonzern Kontur gewann, hatte der Veba-Chef seine Lösung dafür angepriesen und schließlich durchgesetzt: Die Veba sollte Kristallisationskern des neuen Ölkonzerns sein, alle anderen deutschen Ölinteressen sollten ihr einverleibt werden.

Vorerst hat es allerdings nur zu Gelsenberg gereicht, das Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk (RWE) denkt nicht daran, seine Öltochter UK Wesseling in die halbstaatliche Veba einzubringen; Die BASF sieht ihre Tochter Wintershall lieber bei sich als bei der Veba. Doch der Bund als großer Förderer der Veba-Pläne ist darüber derzeit sicher nicht unglücklich: Immerhin kostete ihn schon die Veba/Gelsenberg-Fusion mehr als 300 Millionen Mark; die Abrundung des Ölkonzerns durch Wesseling und Wintershall würde kaum billiger werden.

Daß der deutsche Ölkonzern den Bund so teuer zu stehen kommt, ist der Dickköpfigkeit des Veba-Chefs zuzuschreiben. So gerne Bennigsen die Gelsenberg AG haben wollte, so wenig war er bereit, auf Kosten der Veba-Aktionäre zuviel für das Konkurrenzunternehmen zu bezahlen. So blieb Bonn nichts anderes übrig, als zum Gesamtpreis von 672 Millionen Mark das beim RWE liegende Gelsenberg-Paket von 48 Prozent zu kaufen und über die Börse auf 51,3 Prozent des Gelsenberg-Kapitals aufzustocken. Überdies steuert der Bund bei der jetzt laufenden Umtauschaktion etwa 145 Millionen Mark für die Verbesserung des Angebots bei, wovon ihm selbst allerdings gut die Hälfte zufließt.

Unter Bonner Flagge