Von Gabriele Venzky

Rom, im November

Wir wollen keine Almosen, sondern wir wollen eine Axt, damit wir den Busch roden können." So sagte es der Delegierte von Sambia auf der Welternährungskonferenz in Rom, und all die vielen, die gleich ihm nur ihre leeren Hände vorweisen konnten, stimmten zu. Die Frage hieß nur – wer gibt die Axt?

Der Hunger und seine Bekämpfung – das war das Generalthema der Konferenz. Doch zum Leitmotiv wurde die Konfrontation zwischen Öl und Getreide, der Wettlauf um Einfluß und Macht. Der Mantel humanitären Mitgefühls vermochte diesen Konflikt nur mühsam zu überdecken.

Öl und Weizen sind politische Waffen geworden, auf deren Einsatz die Antagonisten nicht verzichten mögen: Hier die Amerikaner mit ihrem Potential für beträchtliche Nahrungsmittelüberschüsse, dort die OPEC-Länder mit ihrem monopolitischen Würgegriff am Hals der Industriestaaten.

Darüber, daß Hunger und menschliche Würde sich im Zeitalter des höchsten technischen Fortschritts nicht miteinander vereinbaren lassen, war man einer Meinung. Doch der aufwendige Versuch der Welternährungskonferenz, den 500 Millionen Verhungernden dieser Erde die ihnen zustehende Würde zurückzugeben, verlief sich in den weitläufigen Irrgärten allzu weich formulierter Resolutionen und Aufrufe.