Mit den schärfsten Sicherheitsmaßnahmen seiner Geschichte empfing Japan am Montag den amerikanischen Präsidenten Ford. Sogar Ministerpräsident Tanaka hatte aus Sicherheitsgründen auf die persönliche Anwesenheit am Flugplatz verzichtet und seinen Protokollchef zum Empfang geschickt. Fords Besuch ist der erste eines amerikanischen Präsidenten in der 115jährigen Geschichte der beiderseitigen Beziehungen – zugleich die erste Überseereise Fords seit Übernahme seines Amtes im August.

Tausende Bereitschaftspolizisten überwachten den Flughafen und die Zufahrtsstraßen, um ein Übergreifen der amerikafeindlichen Demonstrationen von etwa 6000 Studenten zu verhindern. Die außerordentlichen Sicherheitsvorkehrungen orientierten sich auch an den schweren Unruhen, die 1960 den damaligen Präsidenten Eisenhower veranlaßt hatten, seinen geplanten Japanbesuch abzusagen.

In Japan gilt es als zweifelhaft, daß Tanaka mit dem diplomatischen Schachzug des Präsidentenbesuches seinen durch Finanzskandale angeschlagenen Ruf nachhaltig aufpolieren kann. Die linke Opposition sieht in der Einladung an Ford nur den Versuch, die Lebensdauer seines Kabinetts zu verlängern. Für Ford hingegen ist die Begegnung mit Tanaka und Kaiser Hirohito eine politisch nützliche Etappe auf seinem Weg nach Wladiwostok, wo er anschließend den sowjetischen KP-Chef Breschnjew treffen will.

Eines der Hauptthemen bei den Gesprächen in Tokio dürfte Kissingers Plan einer Aktionsgemeinschaft der ölverbrauchenden Länder sein. Der amerikanische Außenminister hatte am vorigen Freitag ein Fünf-Punkte-Programm zur Weltenergiekrise vorgelegt und an Europa und Japan appelliert, sich mit den Vereinigten Staaten in gemeinsamer Anstrengung zusammenzufinden, "oder sie müssen internationales Chaos und am Ende den Verlust der Freiheit gewärtigen". Die wichtigsten Punkte des Programms sind:

  • Suche nach neuen Ölreserven und Entwicklung anderer Energiearten.
  • Reinvestitionen ("recycling") von 50 Milliarden Dollar von Seiten der Ölproduzenten in den westlichen Verbraucherländern in den nächsten zwei Jahren. • Hilfe der Industriestaaten für jene Entwicklungsländer, die am stärksten von der Energiekrise betroffen sind.
  • Einmütigkeit bei den Konsumenten zur Gewährleistung dauerhafter Abkommen.