Der Norddeutschen Landesbank in Hannover muß mit Bilanzhilfen besonderer Art unter die Arme gegriffen werden.

Nach der heruntergewirtschafteten Hessischen Landesbank (Helaba) ist, nun auch die Norddeutsche Landesbank in Hannover (Nord-LB) auf die Hilfe der Sparkassen angewiesen. Hauptgrund für die bei dem niedersächsischen Institut aufgetretenen Schwierigkeiten ist das Engagement bei den Rollei-Werken Franke & Heidecke in Braunschweig. Rund 250 Millionen Mark Verlust hat die Nord-LB bei diesem Unternehmen zu verkraften. Die Nord-LB und die Helaba halten je 46,9 Prozent des Rollei-Kapitals von 135 Millionen Mark.

Bei der Nord-LB verteidigt man das Engagement bei Rollei mit „landespolitischen Gesichtspunkten“, wobei allerdings verschwiegen wird, daß ein großer Teil des Rollei-Verlustes in Singapur entstanden ist, wo der frühere Rollei-Chef Heinrich Peesel für 120 Millionen Mark ein Zweigwerk errichten ließ. Dies hat sich inzwischen als Fehlinvestition erwiesen.

In Hannover fragt man sich, ob die Bereitstellung von Nord-LB-Mitteln zur Schaffung von Arbeitsplätzen in Singapur wirklich im Interesse niedersächsischer Steuerzahler geschah. Nord-LB-Chef Kurt Hähnel, dem zwar weder die Beteiligung seines Hauses an Rollei noch der Entschluß der Braunschweiger, nach Ostasien zu gehen, angelastet werden kann, ist dennoch, in die Schußlinie geraten. Hähnel hat, offenbar beeinflußt durch Heinrich Peesel, roch in diesem Sommer den Entschluß von Rollei, nach Singapur zu gehen, gutgeheißen.

Am 5. Dezember dieses Jahres muß sich der Haushaltsausschuß des niedersächsischen Landtages mit der Situation in der Nord-LB befassen. Unabhängig von dem nicht mehr zu verkraftenden Wertberichtigungsbedarf von 250 Millionen Mark soll der Nord-LB, an der das Land Niedersachsen zu 60 Prozent und der Sparkassenverband zu 40 Prozent beteiligt sind, 100 Millionen Mark neues Kapital zugeführt werden.

Da das Land Niedersachsen Hemmungen hat, für das Rollei-Engagement eine Landesbürgschaft zu gewähren, hat man sich nun auf eine sogenannte Garantieerklärung geeinigt, die das Land abgeben soll. Die Sparkassen übernehmen gegenüber dem Land eine Rückbürgschaft von 100 Millionen Mark. Auf diese Weise wird es der Nord-LB ermöglicht, auf eine Wertberichtigung des Rollei-Engagements zu verzichten.

Die Sparkassen hoffen, aus der Rückbürgschaft nicht in Anspruch genommen zu werden. Ob sie der Nord-LB noch auf andere Weise Bilanzierungshilfe leisten müssen, scheint noch nicht ganz festzustehen. Als sicher gilt, daß die Nord-LB für 1974 keinen Gewinn mehr ausweisen kann, obwohl das Ergebnis aus dem laufenden Bankgeschäft besser ausfallen dürfte als 1973. Im vergangenen Jahr war der Gewinn des Instituts bereits von 42 Millionen auf 22 Millionen Mark geschrumpft; schon damals hatte man Wertberichtigungen auf Rollei-Kredite vornehmen müssen.