Eine neue Runde im Kampf zwischen Nichtrauchern und Rauchern

Von Tratschke

Die Nichtraucher sind im Vormarsch. Meilensteine an ihrem Weg in eine rauchfreie Zukunft sind der "Erste Nichtraucherkongreß", der jetzt in Bad Neuenahr stattfand, und einige neuere Gerichtsurteile, die den Nichtrauchern ein Recht auf qualmfreie Luft bestätigen. Da wurde zum Beispiel in Neumünster einem Zahnarzt recht gegeben, als er darauf bestand, einen Fortbildungskursus nur dann zu besuchen, wenn dort ein generelles Rauchverbot ausgesprochen würde. Und in Stuttgart wurde einem Taxifahrer bestätigt, daß er mit seiner Weigerung, in seinem "Nichtraucher"-Taxi rauchende Passagiere zu fahren, nicht gegen die Beförderungspflicht verstößt.

Damit ist zwar der jahrhundertealte Streit zwischen Rauchern und Nichtrauchern, in dem schon Jakob I. von England, der Sohn Maria Stuarts, in einer lateinischen Schrift so leidenschaftlich "gegen den Gestank des angezündeten Tabaks" und "die häßliche Rauchgewohnheit", die kurz zuvor von Königin Elizabeths Admiral Sir Walther Raleigh in Mode gebracht worden war, Partei nahm, noch keineswegs entschieden. Aber eine Wende zeichnet sich ab, nachdem in der Vergangenheit eine Runde nach der anderen an die Raucher gegangen war.

Ihren ersten wirklich entscheidenden Sieg hatten die Raucher im Revolutionsjahr 1848 errungen, und zwar in Berlin, wo damals – wie in anderen Städten auch – das Rauchen auf offener Straße wegen Feuergefahr verboten war. Während der Märzrevolution aber wurde auf Berlins Straßen und Plätzen immer häufiger geraucht, ohne daß die Polizei gewagt hätte, dagegen einzuschreiten. Als dann das Verbot aufgehoben wurde, hat das für den Verlauf der Revolution eine nicht unerhebliche Rolle gespielt. Werner von Siemens schildert das in seinen Lebenserinnerungen:

Am 19. März, so berichtet er, als das Militär bereits aus der Stadt herausgezogen war und die Revolutionäre ihre Gefallenen auf dem Schloßplatz aufgebahrt hatten, wo der König und die Königin die Toten ehren sollten, machte eine Gruppe von Revolutionären plötzlich Anstalten, das Schloß zu stürmen. Aber der junge Fürst Lichnowsky hielt die Männer auf, indem er ihnen sagte, daß der König doch alle ihre Forderungen bewilligt habe. "Wirklich alle?" fragte einer. "Wirklich alle!" war die Antwort. "Ooch det Roochen?" fragte ein anderer. "Ja, auch das Rauchen", antwortete Lichnowsky, obwohl das Rauchverbot zu jener Zeit noch bestand. "Ooch im Tiergarten?" wurde weitergefragt. Als auch das bejaht wurde, sagte einer der Revolutionäre: "Na, denn können wir ja zu Hause jehen", und dann löste die eben noch so angriffslustige Gruppe sich ganz friedlich auf.

Sie husteten wie März-Schafe