Ein Freilichtmuseum im Pazifik

Von Ruth Herrmann

Es gibt auf der Welt keine andere so entlegene Insel. Nach Westen zu ist ihr nächster Nachbar, Tahiti, fünftausend Kilometer fern, Santiago liegt in östlicher Richtung fast ebenso weit. Daß der holländische Seefahrer Jacob Roggeveen das Eiland 1722 entdeckte, war purer Zufall. Die Bewohner nannten es Rapa Nui, Roggeveen taufte es Osterinsel, weil gerade Ostersonntag war, als er es sichtete.

Der Flugplatz, eine zertrampelte Grasfläche mit Empfangsbaracke und einer einzigen Piste, ist gut zehn Jahre alt. Zweimal wöchentlich landet eine Boeing der LAN-Chile, donnerstags von Frankfurt kommend auf dem Weg nach Nandi, montags auf dem Rückflug.

"Über den einsamsten Fleck auf Gottes weiter Erde", sagt Thor Heyerdahl, der Mitte der fünfziger Jahre zu Ausgrabungen dort war: "Nur einmal im Jahr läuft ein Kriegsschiff mit Proviant für die Eingeborenen die Insel an. Es macht so rasch wie möglich kehrt. Eine andere Verbindung zur großen Welt besteht nicht."

Die Schiffsverbindung gibt es nicht mehr, und das Flugzeug macht auch so rasch wie möglich kehrt. Es war frühmorgens, in der Ferne krähten Hähne. Hinter den kahlen Hügeln ging eine trübe Sonne auf. Mit Bildern dieser Landschaft ließe sich eine altnordische Saga illustrieren. Hier war-Island im Stillen Ozean.

Es sregnete, der Vorplatz des Flughafens war matschig. Mehrere geländegängige Wagen, Eigentum konkurrierender Einmann-"Travel-Agencies", warteten auf die wenigen Touristen. Ich fand mich in Gesellschaft von fünf Japanern, einem Filmteam, das vorhatte, eine Woche lang Aufnahmen für einen Fünfminuten-Kulturfilm zu drehen.