Von Albert Harms

Sie nennen sich selbst einen "bunten Haufen". Denn meistens treten sie im Team an, in dem vom Architekten bis zum Forstwirt, vom Volkswirt bis zum Geographen eigentlich jede Fachrichtung vertreten ist. Doch nicht nur dieser Umstand dürfte bei Außenstehenden Verwirrung stiften – es kommt noch schlimmer: Selbst Raumplaner bezweifeln, daß sie Raumplaner sind.

Eigentlich fing alles damit an, daß das Wort "Planung" in deutschen Amtsstuben keinen Horror mehr auslöste. Das war so um die Mitte der sechziger Jahre. Seitdem drängeln sich Berufsanfänger wie Professionelle um die krisenfesten Planstellen, die Bund, Länder und Gemeinden im Bereich ihrer Raumplanung anzubieten haben.

Typisch ist der Berufsweg von Karl-Hermann Hübler, Referent für Bevölkerungs- und Siedlungsstrukturfragen im Bundesbauministerium: 1933 in Sachsen geboren, Studium der Landwirtschaft in Ostberlin, Wechsel nach Gießen, betriebswirtschaftliche Dissertation, einige Jahre bei einem Agrarverband, seit 1963 Raumplanungsreferent in mehreren Bonner Ministerien. Hübler betont die "unerhörte Vielfältigkeit" der Tätigkeit, aber, so fährt er fort, "darin liegt zugleich die Gefahr, daß der Raumplaner von vielem zu wenig weiß".

In der Tat: Von der Aufstellung von Raumordnungsprogrammen über die Mitwirkung bei Investitions- und Fachplanungen bis zu Strukturanalysen und -prognosen sind die Raumplaner überall und stets dabei. Generalisten sind sie alle, aber häufig als Spezialisten eingesetzt. Was dazu führt, daß Auseinandersetzungen und Mißverständnisse an der Tagesordnung sind. Allerdings hebt Hübler hervor: "Der Raumplaner ist dann im Vorteil, wenn er jeweils ein Quentchen mehr als sein Kontrahent über die gesellschaftlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen der Fachplanungen weiß."

Denn die Raumplaner haben ein großes Problem: Der Boden ist nicht vermehrbar. Also kämpfen Umweltschützer gegen Kernkraftwerkplaner, Landschaftsschützer gegen Freizeitplaner. In diesem Spannungsverhältnis soll der Raumplaner Nutzungskonflikte lösen, dem persönlichen Gewissen unterworfen, loyal gegenüber dem Auftraggeber Staat, dem Bürger gesellschaftspolitisch verpflichtet.

Arbeitet der Raumplaner in einem Hochschulinstitut, kann er sich glücklich preisen. Problematischer wird es schon in den privaten Planungsbüros. Sie leben überwiegend von Staatsaufträgen, der Einmannbetrieb ebenso wie die Großforschungsinstitute Prognos (Basel) und Gewos (Hamburg) oder die Planungsabteilungen von Bauunternehmen. Und wer, wie die Siedlungs- und Landgesellschaften, Stadt- und Dorferneuerung betreibt, der hat zwar viele Probleme, aber auch einen krisenfesten Auftraggeber. Indessen waren die meisten Raumplaner noch klüger: Sie sind gleich in den Staatsdienst gegangen.