Die internationale Zusammenarbeit ist beispielhaft

Von Joachim Schwelien

Auf dem kleinen Parkplatz hinter dem Bürgersteig warten zwei Männer, ein Deutscher und ein Amerikaner. Dieser trägt einen kleinen Koffer. Inhalt des Koffers: 90 000 Mark in Hundertmarkscheinen. Ein grüner Opel stoppt vor den beiden. Just in diesem Augenblick stürzen Kriminalbeamte herbei und nehmen den Opelfahrer und die beiden Männer fest. Der Koffer mit dem Geld wird beschlagnahmt. Im Opel wird ein Behälter mit neun Kilogramm Morphiumbase sichergestellt.

Die Festnahme der drei Männer ist ein Ausschnitt aus dem Kampf gegen den internationalen Rauschgiftschmuggel. Das Schlußkapitel dieser Szene wird knappe fünf Monate später vor einem deutschen Gericht geschrieben. Der Mann am Steuer des grünen Opels erhält sechs Jahre Gefängnis. Er ist Grieche von Herkunft, der in der Bundesrepublik ein Obst-Importgeschäft betreibt. Sein deutscher Helfershelfer, der neben dem Amerikaner wartete, kommt mit vier Jahren davon.

Der Amerikaner hingegen, der das Rauschgift kaufen wollte, geht nicht nur straffrei aus – er sitzt nicht einmal auf der Anklagebank. Denn seine Kaufabsicht war nur fingiert. Dieser Amerikaner ist Beamter der amerikanischen Regierungsbehörde DEA, der "Drug Enforcement Administration" in Washington, einer noch unter Präsident Nixon ins Leben gerufenen zentralen Dienststelle zur Bekämpfung des internationalen Handels mit harten Drogen, vornehmlich Heroin und der Ausgangsprodukte Opium und Morphium.

Er gehört zu dem Dutzend amerikanischer Beamten der DEA, die auf Grund eines deutschamerikanischen Abkommens seit zwei Jahren mit der deutschen Kriminalpolizei eng zusammenarbeiten. Sie sind in vier Städten der Bundesrepublik – in München, Frankfurt, Hamburg und Bonn – stationiert. Die DEA-Männer sind voll des Lobes über die Kooperation mit ihren deutschen Kollegen.

Ähnlich gute Erfahrungen haben andere Spezialisten der "Drug Enforcement Administration" mit den Polizeidienststellen in Holland, in Frankreich, in Großbritannien und anderen Ländern gemacht; in Italien, in Nordafrika und im Nahen Osten ist sie dagegen noch von unterschiedlicher Qualität, manchmal mangelhaft. In der "Region 17", die Europa und Nordafrika umfaßt, sind DEA-Büros außer in den vier genannten deutschen Städten in Paris, Marseille, London, Madrid, Brüssel, Rom, Mailand, Genua, Wien und Den Haag eingerichtet worden. Im Nahen und Mittleren Osten, der "Region 19", arbeiten DEA-Beamte in Ankara, Istanbul, Ismir, Beirut, Teheran, Kabul, Tel Aviv, Islamabad, Neu-Delhi und in Karatschi. Aufgabe dieses Netzes ist, den illegalen Handel mit Ausgangsprodukten für harte Drogen in den Ursprungsländern zu erfassen, den internationalen Schmuggel in die geheimen Laboratorien zu verfolgen und die Vertriebsorganisationen aufzurollen.