Das US-Justizministerium will den größten Konzern der Welt auseinanderbrechen

Letzte Woche überraschte das amerikanische Justizministerium die Öffentlichkeit mit der größten Antitrustklage aller Zeiten: Unter Berufung auf den "Sherman Act" leitete die Behörde eine Klage gegen den Industriegiganten American Telephone and Telegraph Co (AT&T) ein.

Das Ziel der Kartellbehörde ist die Aufspaltung des im amerikanischen Nachrichten- und Fernmeldewesen dominierenden Unternehmens. AT & T soll sich von seiner Produktionsgesellschaft Western Electric trennen, die mit einem Umsatz von sieben Milliarden Dollar an zwölfter Stelle unter den amerikanischen Industriegesellschaften rangiert. Ferner will die Behörde AT & T zum Rückzug aus dem Fernsprechgeschäft oder zur Aufgabe aller lokalen Telephongesellschaften zwingen. Schließlich behalten sich die Wettbewerbskontrolleure vor, auch die Abtrennung von Bell Telephone Laboratories Inc., dem größten amerikanischen industriellen Forschungsunternehmen, zu verlangen.

AT & T, von den Amerikanern kurz "Ma Bell" genannt, ist ein eindrucksvolles Gebilde, dessen Beschreibung nur in Superlativen möglich ist: Das 89 Jahre alte Unternehmen ist das perfekteste vertikal integrierte und unter dem Mantel der Holding-Gesellschaft verborgene Monopol Amerikas. Am einen Ende des Konzerns steht Bell Labs (Bell Telephon Laboratories), die wichtigste Quelle technologischer Erfindungen im amerikanischen Kommunikationswesen. Am anderen Ende operieren 23 lokale Bell Telephongesellschaften. Als Verbindungsglied fungiert das Produktionsunternehmen Western Electric, das die Erfindungen der Bell Labs für die praktische Nutzung im Telephonwesen umsetzt. Mit Hilfe dieses gut durchorganisierten und höchst effizienten Beil-Systems kontrolliert der Konzern 80 Prozent des amerikanischen Telephonnetzes, 90 Prozent des zwischenstaatlichen Fernsprechverkehrs, beschäftigt über eine Million Angestellte und setzt pro Jahr weit über zwanzig Milliarden Dollar um.

Gemessen an seinen Vermögenswerten ist AT & T mit 67 Milliarden Dollar größer als General Motors, Ford, Chrysler, IBM und ITT zusammen. Sein Investitionsbudget von rund zehn Milliarden Dollar jährlich wird von keinem anderen amerikanischen Unternehmen übertroffen; AT & T ist der größte Kreditnehmer auf dem amerikanischen Kapitalmarkt und seine jährliche Zinslast ist größer als das Budget der Stadt New York. Als Lieblingskind privater amerikanischer Investoren verteilen sich die rund 500 Millionen umlaufenden Aktien auf nahezu drei Millionen Anteilseigner.

Angesichts dieser Konzernmacht erscheint die Klage der kleinen Antitrustbehörde wie ein Kampf zwischen David und Goliath. Ein Washingtoner Anwalt vergleicht das Verfahren allerdings mit dem Versuch, eine 400 Pfund schwere Frau zu umarmen: gelingt es, so läuft man Gefahr, unter ihrer Last erdrückt zu werden.

Schon einmal, im Jahr 1949, hatte die Behörde versucht, die Produktionsgesellschaft Western Electric aus dem Konzern auszugliedern. Nach siebenjährigem Tauziehen, unter der Regierung Eisenhower, wurde das Verfahren jedoch sang- und klanglos eingestellt.