Ein Baukasten kann – nicht nur für Kinder – ein lehrreicher Zeitvertreib sein, vor allem ein Baukasten aus dem System "Fischertechnik", dem fraglos vielseitigsten auf dem Weltmarkt. Aber so groß die Vielfalt der möglichen Konstruktionen auch sein mag, jedem Baukasten haftet eine gewisse Starrheit an, das liegt am Baukastenprinzip. Die Einzelteile sind nun einmal unveränderbar. Hinzu kommt noch: Manche Modelle sind nur so lange interessant, als man an ihnen baut. Wenn sie fertig sind, haben sie ihren Reiz verloren, zumal viele gar nicht wirklich das tun, was man von ihnen erwarten sollte. Ein Schiff aus dem Baukasten kann eben nicht richtig schwimmen, die Wassermühle steht auf dem Tisch, trocken, nicht in der Landschaft am Fluß.

Dieses Manko hat den genialen Tüftler Artur Fischer in Tumlingen offenbar nicht schlafen lassen. Der Mann, der mit Kunststoffdübeln Millionär, aber erst als Baukasteningenieur berühmt geworden ist, suchte nach einem Material, das sich so leicht bearbeiten läßt wie Knetgummi – möglichst noch leichter –, aber so robust ist, daß man damit bauen und spielen kann. Er fand es: Styropor. Der federleichte Kunststoff schneidet sich mit einem erhitzten Draht wie Butter. Und aus Styropor kann man brauchbare Schiffsrümpfe bauen, Landschaften gestalten, jedes beliebige Formteil herstellen, es läßt sich bemalen, es isoliert, was für die vielen elektrischen Fischertechnik-Modelle wichtig ist, und es läßt sich mit einem Spezialmittel dauerhaft verkleben.

Also’ konstruierte Fischer das Werkzeug, mit dem selbst kleine Kinder Styropor bearbeiten können, und Verbindungsstücke, mit denen sich Styropor-Elemente an alle Fischertechnik-Bauteile montieren lassen. Und wie immer bei Fischertechnik ist alles reichlich vorhanden, die Heizdrähte für die Sägen und die verschiedenen Verbindungsstücke, dazu reichlich bemessene Kabel für den Anschluß der Werkzeuge.

An alles ist gedacht, an Halterungen für die Werkstücke, an Vorrichtungen, um schnurgerade Kanten oder exakte Winkel zu sägen, um eine Kugel zu fräsen, Bögen säuberlich zuzuschneiden oder freie Skulpturen beliebiger Gestalt auszuformen.

Auf einmal ist die Baukastenstarrheit der Modelle verschwunden, die Gebäude und Maschinen, nunmehr verkleidet und in Landschaften gestellt, beginnen zu leben, bekommen Spielwert. Groß ist auch der Reiz, mit dem handlichen Material und dem handgerechten Werkzeug zu bildhauern. Für manchen Bastler schließlich, auch wenn er sonst nichts mit Fischertechnik zu tun hat, lösen sich mit der kleinen Styropor-Werkstatt viele lästige Probleme, etwa wenn Formteile fehlen, die er sich jetzt leicht selber anfertigen kann. Das Ganze heißt: "Fischertechnik hobbyweit 1" und kostet um 50 Mark. Unbrennbares Spezial-Styropor liefert Fischer auch.

Thomas von Randow