Die Gewerkschaften wie ein rohes Ei zu behandeln, zahlt sich für Regierende aus. Dieser Schluß läßt sich aus dem Wohlverhalten der Gewerkschaft Textil und Bekleidung, Vorsitzender Karl Buschmann, deutlich ablesen. Während der Industrie-Gesamtverband Textil die Sonderausschreibung der Bundesregierung für Textilimporte aus Ostblockländern betont scharf kritisierte, hielt sich die Gewerkschaft überaus zurück.

Für den Interessenverband der Industrie bedeutet der Schritt von Wirtschaftsminister Hans Friderichs "eine bessere Beschäftigung von Staatsbetrieben in Ostblockländern zu Lasten von deutschen Arbeitsplätzen". Immerhin sind der Textilindustrie in den letzten zwölf Monaten fast 100 000 Arbeitsplätze verlorengegangen.

Wolfgang Stender, Sekretär des Textilgewerkschafters Buschmann, hingegen meint: "Wir brauchen nichts zu dramatisieren." Stender findet die Maßnahmen durchaus so bemessen, daß sie in die für Mitte nächsten Jahres zu erwartende Konjunkturlage hineinpassen.

Und nun Bundeskanzler Helmut Schmidt vor dem 12. ordentlichen Gewerkschaftstag von Textil und Bekleidung Anfang November über Stenders Boß Buschmann: "Er ist ja einer von denen, von denen wir viel gelernt haben; einer der Senioren unter der gegenwärtigen Führungsequipe der Gewerkschaften in unserem Lande überhaupt... er hat zu denjenigen gehört, die in erster Linie dazu beigetragen und daran mitgewirkt haben, daß in unserem Lande soziale Sicherheit und soziale Stabilität mehr ist als eben nur ein Schlagwort oder eine Forderung."

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Was von Beraterverträgen der Bonner Ministerien zu halten ist, hat der Präsident des Bundesrechnungshofes Hans Schäfer in seinem jüngsten Jahresbericht festgehalten. Zwei ehemalige hole Beamte mit Beraterverträgen kamen ins schlechte Licht Der eine ist Generalleutnant a. D. Herbert Büchse in Schäfers Bericht namentlich benannt.

Büchs wurde 1971 an eine Nato-Agentur versetzt. Um finanzielle Nachteile wegen niedrigerer Besoldung auszugleichen, erhielt er einen Beratervertrag über 30 000 Mark jährlich. Obwohl Büchs für eine erste Studie sechs Monate Zeit hatte, lag Anfang 1973, nach mehr als einem Jahr, noch kein Arbeitsergebnis vor.