Skrupel wird eine solche Perspektive dem jungen FDP-Chef kaum bereiten. Von ihm heißt es ohnehin, daß er der CDU geneigter sei als der SPD. Persönliche Beziehungen, wie sie seinen Vorgänger an der Parteispitze, Willy Weyer, mit Heinz Kühn verbanden, braucht Riemer jedenfalls nicht zu berücksichtigen. Das Verhältnis zwischen dem Ministerpräsidenten und dem Wirtschaftsminister ist eher konträr. Das zeigt sich schon bei der Auseinandersetzung um den Staatssekretär Stakemeier und beim Streit um die Mitbestimmung in den Aufsichtsgremien der Westdeutschen Landesbank.

Noch hat das Kabinett Kühn keine Bilanz gezogen. Viele Pluspunkte werden ohnehin nicht zu verbuchen sein. Selbst wenn die Habenseite vollgefüllt wäre, das Konto wäre erst nach der Lösung des drängendsten Problems ausgeglichen: nach der Normalisierung auf dem Arbeitsmarkt.

Kühn wie Riemer hoffen auf die große Wende. Bis zum Dezember oder Januar nehmen sie zunehmende Arbeitslosenzahlen in Kauf, aber dann muß der wirtschaftliche Aufschwung kommen. Mit über einer halben Milliarde Mark will die Landesregierung Arbeitsplätze sichern und neue schaffen. Werden die Maßnahmen noch wirken vor der Wahl im Mai? Der Chefredakteur der Neuen Ruhr Zeitung, Jens Feddersen, ist skeptisch wie viele andere Beobachter in Nordrhein-Westfalen: "Drei bis vier Miese für die Sozialdemokraten sind drin."

Das aber würde eine Wachablösung in Düsseldorf bedeuten. Es könnte auch der Anfang sein vom Ende der Bonner Koalition.