Weil die katholische Kirche in Frankreich nur von Spenden lebt, gerät sie immer mehr in finanzielle Bedrängnis.

Im vergangenen Monat steuerte François Marty, Kardinal von Paris und Primus unter Frankreichs Bischöfen, seinen Citroën 2 CV in einen Straßengraben. Der Bischof von Paris (Monatsgehalt etwa 280 Mark bei freier Rost und Wohnung) fährt das häßliche Entchen nicht aus Snobismus, denn die katholische Kirche des Landes ist trotz ihrer schönen Kathedralen bettelarm.

Zwar liegen die staatlich festgesetzten Mindestlöhne in Frankreich für alle Arbeitnehmer bei etwa 660 Mark im Monat, doch erhalten viele katholische Pfarrer nicht einmal die Hälfte davon. Immerhin verdient jeder Geistliche in Paris soviel wie sein Bischof: Rechnet man freie Miete und Verpflegung hinzu, kommt er gerade auf den Mindestlohn. Aus dem Vollen kann in Frankreich kein Bischof schöpfen, eine Kirchensteuer ist nämlich unbekannt.

Hauptsächliche Einnahmequelle für den Klerus: Eine jährliche freiwillige Abgabe, die etwa von der Hälfte der katholischen Kirchgänger entrichtet wird. Mindestens den Tagesverdienst einer Familie hätten die Oberhirten gern jedes Jahr von ihren Schäflein. Doch deren Spendierfreude ist weitaus geringer.

Auf der Suche nach Geld besann sich der französische Episkopat auf ein Instrument moderner Haushaltspolitik: den Finanzausgleich. In Paris zum Beispiel treten die wohlhabenderen, häufig von Touristen besuchten Innenstadtpfarreien einen Teil ihrer Einnahme aus Kollekten, an innere Nachbargemeinden ab. Außerdem soll jetzt eine Ausgleichskasse für mehr finanzielle und soziale Gleichheit sorgen.

Einen Nachteil ihrer schlechten Finanzlage fürchten die katholischen Bischöfe vor allem: Daß ihre Kirche intellektuell unterentwickelt wird, da sie weder Fortbildung, noch theologische Forschung finanzieren kann. 82 Prozent aller Franzosen, so erkundeten die Meinungsforscher, sind bereit, der Kirche "Geld für die Armen" zu geben. Doch das Einkommen der Priester fällt offenbar nicht in die Kategorie der Almosen. So sehen immer mehr Geistliche nur einen Ausweg: Sie verdienen sich als Arbeiterund Angestellte in der Wirtschaft ihren Lebensunterhalt.

smi