Hugo Wolf: Lieder (Volume 1)

Nach der Gesamtausgabe der Schubert-Lieder hat sich Dietrich Fischer-Dieskau eine neue komplette Sammlung vorgenommen: Hugo Wolfs Lieder – ein vielleicht noch komplexeres Unternehmen; sind doch Textinhalte und musikalische Form weit komplizierter, geheimnisvoller, vieldeutiger, ist das Wechselspiel von Wort und Ton, von Stimme und Instrument, von Harmonik und Linie weit schwerer durchschaubar, aber eben auch wesentlicher. Fischer-Dieskau dominiert, das zeigt die erste, 42 Lieder enthaltende Teilkassette deutlich, immer noch–sowohl von der stimmlichen Ausführung wie von der musikalisch-strukturellen wie von der intellektuellen Durchdringung der Stücke her – unumschränkt. Mit Daniel Barenboim zu kooperieren, fällt offenbar nicht ganz leicht, zuviel Eigengewicht einerseits, zuviel Eigenfarbe andererseits möchte dieser in den Klavierpart hineinpacken, und das verträgt sich mit Fischer-Dieskaus hier in der Regel eher zurückhaltenden Stil gelegentlich nicht sehr gut (Deutsche Grammophon 27 40 113, 3 LP, 59,– DM)

Heinz Josef Herbort

Ein Fest bei Papadakis ("Grips"-Theater)

Willi Müller geht jedes Wochenende mit Sohn und Tochter auf den Campingplatz – bis eines Tages sich Griechen auf den "angestammten" Quadratmetern niedergelassen haben. Reaktionäre Vorurteile und unterschiedliche Lebenspraxis vermengen sich, die Folge: zunächst einmal Feindseligkeit Daß man schließlich doch zu einem "Fest bei Papadakis" zusammenfindet, ist mit ein Verdienst der – vielleicht doch – unkomplizierter empfindenden und handelnden jungen Leute. Ein Hörspiel mit folkloristischer Musik, auch als Buch zu haben (Weismann Verlag), das gewiß nicht das Gastarbeiterproblem in seiner ganzen Komplexheit vorstellt, aber doch ein paar Denkanstöße liefern könnte –, sofern vielleicht auch noch ein bißchen Unterhaltung über das Thema sich anschließt. (Wagenbachs Quartplatte 13, 12,80 DM) Heinz Josef Herbort

Bert Jansch: "L. (os) A. (ngeles Tournaround)"

Das ist ein sympathischer, intelligenter Sänger. Was er macht, hat den spröden Charme des Natürlichen und wirkt deshalb so ehrlich. Das hört man seinen nachdenklichen country-gefärbten Melodien wie dem farbenvollen Gitarrensatz an, das entnimmt man nicht zuletzt den leisen, sehr lyrischen, die Oberfläche durchdringenden Texten. (Charisma CAS 1090) Manfred Sack