In einem Frauenlokal auf St. Pauli ging gerade eine, als ich kam. Es war noch ziemlich leer, und die Chefin sagte: "Das ist Reni. Der kann man doch nicht ansehen, daß sie im Puff ist, oder? Aber hat die vielleicht Schläge gekriegt."

Das war mit Reni passiert: Sie war über ein Jahr mit diesem Rolf zusammen gewesen, einem Typ wie Mick Jagger, und mußte jeden Morgen fünfhundert abliefern, das war auch drin, und der Jaguar, Baujahr 72, war auch von ihr, und die Appartement-Wohnung, die auf seinen Namen lief, kostete neunhundertfünfzig, kalt. Rolf holte sie morgens aus dem Puff ab und filzte sie erstmal, weil sie immer noch irgendwo einen Hunderter bunkerte. Schließlich kriegte Reni ihre Prozente, wenn gesoffen wurde. Sonst ging es morgens in einen Spielklub, und wenn da nun alles verzockt war, dann war Rolf nachher so gewaltig im Bett, daß Reni ihm versprach, noch über fünfhundert hinauszukommen, morgen schon. Und Rolf hörte sich dann an, was im Puff alles passiert war, das ging jeden Morgen so, und im Halbschlaf sagte er noch: "Aber mach’ es mit keinem Freier reell, also das sage ich dir." Das sagte er nur, weil er auch den Eifersüchtigen mimen mußte, und das immer kurz vorm Einschlafen.

Wenn Reni es reell machen würde, könnte sie den Freiern den dreifachen Kurs abnehmen, aber dann müßte sie sich am nächsten Tag von ihrem Arzt eine Sicherheitsspritze verpassen lassen, und das kostet 50 Mark, und zu oft ginge das auch nicht.

Nachmittags standen sie auf, und Rolf sagte dann immer nur: "Nun mach’ schon." Er schob sich die Riesensteaks rein, und sie mußte bei einem Hähnchen oder Salat bleiben, um das Gewicht zu halten, und sie fuhren dann mit dem Jaguar auf St. Pauli herum. Aber Reni kam nicht über fünfhundert hinaus, und deshalb kriegte sie von Rolf immer öfter was aufs Gehirn. Einmal flogen vier Zähne dabei raus. Da packte sie ein paar Sachen und wollte mit einer Taxe nach Hannover fahren, wo eine Kollegin anschaffte, die schwul ist und als "Stiefelfrau" mit der Peitsche arbeitet; mit der hatte sie vor zwei Jahren zusammen gearbeitet, wenn einer ihrer Freier noch eine dazu haben wollte.

Auf den Elbbrücken stellte sich dann ein Jaguar quer. Das war Rolf. Er schob dem zitternden Taxifahrer einen Hunderter durch die Scheibe, und der machte kehrt, und Reni kriegte Keile mit der Stahlrute, mitten auf der Autobahn, und Rolf brachte sie gleich wieder in den Puff zurück.

Aber nach drei Wochen ging Rolf wegen schwerer Körperverletzung ins Untersuchungsgefängnis, er hatte einen jugoslawischen Zuhälter angeschossen, und Reni saß öfter in dem Frauenlokal und hatte. Angst, daß sie Rolf wieder rauslassen, und sie wollte schwul werden. Rolf blieb aber in Haft, weil ein Frankfurter Staatsanwalt ihn auch plötzlich haben will.

Jetzt ist sie mit einem in das Frauenlokal gekommen, noch länger als Rolf und langhaariger, und gar nichts von wegen Mick Jagger, und die Chefin dachte, das kann doch nicht wahr sein. Freddi heißt er, und vor dem muß Reni knien, wenn sie den Strom abliefert, aber fünfhundert? Der will das Doppelte sehen, und Reni steigert sich, sie ackert Tag und Nacht und kniet vor ihm nieder und kniet.