Die Devisenhändler reagieren wie Seismographen. Als sie merkten, daß die Araber ihr Gold aus den USA nach Hause holten, schlossen sie messerscharf, der Dollar könne keine so sichere Währung sein. Die Erfahrung lehrte außerdem, daß in Zeiten politischer Spannung Gelder ungern in Dollar angelegt werden. Auch die amerikanische Innenpolitik vermittelte nicht eben ein Bild vertrauenerweckender Stärke. Präsident Ford wurde als schwacher Mann identifiziert, der gegen einen demokratisch beherrschten Kongreß regieren muß. Schließlich mußte auch das Argument herhalten, die Vereinigten Staaten seien mitten in einer Rezession und hätten Mühe, sich daraus zu befreien. Daß in Rezessionszeiten der Dollar international sogar stark sein müßte, wird in solchen Zeiten, in denen Skepsis die Skepsis nährt, geflissentlich übersehen.

In Spannungszeiten wiederholt sich immer wieder der gleiche Vorgang. Wenn sich die Disponenten freier Gelder scheuen, in den Dollar oder in den Eurodollar zu gehen, dann ist der Schweizer Franken der Favorit. Die Schweiz, ein politisch neutrales Land, gilt als Hort der Sicherheit. Das war diesmal auch wieder so. Die Schweizer Währungsbehörden haben sich gegen unerwünschte Dollarzuflüsse mit einem Negativzins geschützt (siehe auch Seite 46). Die Mark war glücklicherweise diesmal nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit. Dennoch wird ein Dollarkurs von 2,47 Mark als Beweis für die Schwäche des Dollars und für die Stärke der Mark angesehen.

Doch dieses Urteil stimmt nur, wenn man das Dollar-Mark-Verhältnis isoliert in einer Momentaufnahme betrachtet. Verläßt man die kurzfristige Schau, erkennt man, daß beide Währungen, die Mark und der Dollar, zu den starken Währungen gehören. Die Ölmilliarden werden nolens volens auf dem amerikanischen Geldmarkt landen, weil kein anderer Markt die notwendigen Aufnahmekapazitäten hat.

Die wirklich schwachen Währungen sind die Lira, das Pfund und der französische Franc. Ihr Verhältnis zur Mark verdient höchste Aufmerksamkeit. R. H.