"Dies sind traurige Tage für die Vereinten Nationen." Mit diesen Worten reagierte der israelische UN-Botschafter Tekoah auf die beiden Palästina-Resolutionen vom Wochenende. Die erste erkennt den Palästinensern das Recht auf einen eigenen Staat zu, ohne zugleich das Lebensrecht Israels zu dokumentieren. Die Resolution wurde mit großer Mehrheit (89:8 Stimmen bei 37 Enthaltungen) angenommen. Dagegen stimmten außer Israel nur die Vereinigten Staaten, Norwegen, Island und vier lateinamerikanische Staaten.

Den westlichen Staaten war es nicht gelungen, im Resolutionsentwurf eine ausgewogene Formulierung unterzubringen, die auch Israels Existenz einbezieht. Aus diesem Grunde enthielten sich die Staaten der Europäischen Gemeinschaft geschlossen der Stimme.

In der zweiten Resolution, die eine Mehrheit von 95:17 Stimmen bei 19 Enthaltungen fand, wird der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) unter Yassir Arafat Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen eingeräumt. Hier stimmten neben den Gegnern der ersten Resolution auch Kanada sowie alle EG-Länder außer Frankreich mit Nein.

Das Abstimmungsergebnis wurde in Israel mit Entrüstung quittiert. Der Sprecher des Außenministeriums in Jerusalem erklärte: "Israel weist die Resolutionen total zurück. Es betrachtet sie als ungültig, schädlich und nicht der Beachtung würdig."

Unmut hat in Israel auch die Rede des deutschen UN-Botschafters von Wechmar erregt, doch kam es nicht zu einer offiziellen Demarche, lediglich zu "klärenden Gesprächen" in den Außenministerien beider Länder. Von Wechmar hatte sich für das Selbstbestimmungsrecht "des palästinensischen Volkes" ausgesprochen und für notwenig erklärt, "daß Israel die territoriale Besetzung beendet, die es seit dem Konflikt von 1967 aufrechterhält". Zugleich hatte er sich aber auf den Sicherheitsratsbeschluß vom November 1967 berufen, wonach jeder Staat im Nahen Osten in Frieden innerhalb anerkannter Grenzen leben müsse.

Das Auswärtige Amt hob hervor, daß die Stellungnahme des Botschafters keine Änderung in der deutschen Nahostpolitik bedeute.

Am Dienstag bemühte sich UN-Generalsekretär Waldheim um eine Zustimmung Syriens, das Mandat der UN-Friedenstruppe auf den Golanhöhen um sechs Monate zu verlängern. Nach seinen Gesprächen mit Präsident Assad zeigte sich Waldheim bei der Ankunft in Israel zuversichtlich.