Henry Kissinger sprach von einem "Durchbruch" und das Weiße Haus von einem der "bemerkenswertesten Übereinkommen seit Ende des Zweiten Weltkrieges". Es handelt sich um die amerikanischsowjetische Vereinbarung, die strategischen Waffensysteme auf einem Stand zu halten, der beiden Supermächten ein weiteres kostspieliges Wettrüsten erspart.

"Ein neues Abkommen mit der Sowjetunion über atomare Rüstung ist nun in Reichweite", erklärte Präsident Ford, als er am Montagabend hochgestimmt von seinem Treffen mit dem sowjetischen KP-Chef Breschnjew in Wladiwostok zurückkehrte. Viele Details des neuen Vertrages, der bis 1985 reichen soll, seien allerdings noch auszuarbeiten.

Ford unterrichtete am Dienstag führende Kongreßmitglieder und teilte ihnen mit, daß die Absprachen etwa in einer Woche durch einen Notenwechsel präzisiert werden würden. Ford glaubt, daß das Kräftegleichgewicht im Kernwaffenbereich gewahrt ist.

Nach Einschätzung Fords werden die Sowjets ihr geplantes Offensivwaffenprogramm kürzen müssen, während die Vereinigten Staaten den Fächer ihrer nuklearen Rüstung leicht verbreitern können. Der Präsident nahm den Kongreßmitgliedern das Versprechen ab, die ihnen bekanntgebenen Einzelheiten über die Höchstgrenzen geheimzuhalten. Dennoch gab Senator Thurmond den ihn bedrängenden Journalisten zu verstehen, daß die Höchstzahl der Trägerwaffen für jedes der beiden Länder unter 2500 liege. "Das gibt unseren beiden Staaten ausreichende Sicherheit", zitierte Pressesprecher Nessen den Präsidenten, ohne seinerseits Zahlen zu nennen.

Zur Zeit haben die Vereinigten Staaten 1054 Interkontinentalraketen, 768 Raketen auf U-Booten und 437 Langstreckenbomber (zusammen 2259). Bei den Sowjets lauten die entsprechenden Zahlen: 1575 – 720 – 140 (zusammen 2435).

Senator Thurmond zeigte sich davon überzeugt, daß der Kongreß die Absprachen von Wladiwostok billigen werde, wenn die präzisierte Fassung des Abkommens den Darlegungen Fords entspreche. Inspektionen sind nicht vereinbart worden. Die Vereinigten Staaten glauben, dank ihres lückenlosen Satellitensystems darauf verzichten zu können.

Auch die sowjetamtliche Presse äußerte sich sehr positiv über die Begegnung von Wladiwostok. Am Wochenanfang informierte Außenminister Kissinger die chinesische Führung bei seinem sechsten Pekingbesuch über die Vereinbarungen zwischen Ford und Breschnjew.