Wie sich die Japaner im deutschen Markt etabliert haben

Mit einem "guten Trick" – so der Chef des deutschen Uhrmacher-Verbandes, Peter Hellmut Witthöft –, starteten japanische Uhrenanbieter auf dem deutschen Markt. Vor wenigen Jahren boten sie den Händlern Spannen bis zu 90 Prozent. Dabei waren damals bestenfalls 70 Prozent Brauch gewesen. Die Folge: Der Handel mühte sich um das einträgliche Geschäft, und innerhalb von reichlich vier Jahren verschaffte er den Japanern gut fünf Prozent des deutschen Armbanduhrenmarktes.

Den Löwenanteil daran hatte die Citizen, Japans zweitgrößter Uhrenproduzent. Nummer zwei in der Bundesrepublik ist der japanische Branchenführer Seiko. Der Dritte im Bunde, Orient, kommt noch kaum zum Zuge.

Um den Erfolg festzuschreiben, fiel den Citizen-Leuten jetzt etwas Ungewöhnliches ein: Sie wollen "Hamburg zur Uhrenstadt" machen. In der Hansestadt wollen die Japaner künftig jährlich 120 000 Uhren montieren, was etwa einem Drittel des gegenwärtigen Bedarfs für den deutschen Markt entspricht.

Das Projekt hat damit zwar eine durchaus bescheidene Größenordnung – 25 Mitarbeiter genügen, um die importierten Einzelteile zusammenzufügen. Der Schritt beweist immerhin, daß das Engagement in Westeuropa langfristig angelegt ist.

Das haben die deutschen und nicht zuletzt auch die schweizerischen Konkurrenten hierzulande schon stärker zu spüren bekommen, als ihnen lieb sein konnte. Denn die Japaner arbeiteten in der Vergangenheit nicht allein mit Tricks und Gesten: Sie hatten genau erkundet, wo der deutsche Markt noch aufnahmefähig war.

Zuerst einmal hofierten sie den Fachhandel, der so viel Zuneigung von deutschen und schweize-ischen Markenherstellern schon längst nicht mehr gewöhnt war. Während beispielsweise der Schweizer Konzern SSIH selbst seine Renommiermarke Omega neuerdings in Warenhäusern verkauft, leisteten die Japaner dem Fachhandel den hochwillkommenen Treueschwur.