Von Werner Sonntag

Für Raucher brechen harte Zeiten an. Ich weiß, was ich sage, denn ich war selbst Raucher. Immer neue medizinische Dokumentationen trüben den Rauchgenuß, der allzuoft gar keiner ist, sondern nur eine Gewohnheit. Die harten Zeiten hat der erste Deutsche Nichtraucherkongreß in Bad Neuenahr eingeläutet. Hart nicht nur deshalb, weil Raucher mehr für ihre Passion zahlen sollen, sondern auch, weil ihr Luftraum so beschränkt werden soll, wie es bisher allenfalls der Luftraum von Nichtrauchern unter Rauchern ist.

Raucher können sich nicht, um es mit den Worten des Verwaltungsgerichts Schleswig vom 20. September 1974 zu sagen, auf ihr Persönlichkeitsrecht berufen, "weil eben nicht jedermann jederorts und jederzeit seine persönlichen Liebhabereien ... ausüben kann, handele es sich nun um Rauchen, Trompeteblasen oder andere Tätigkeiten, deren Ausübung für die Umwelt zur Belästigung werden kann".

Den ungefähr 40 Prozent der Bundesbürger, die jährlich je 2656 Zigaretten verrauchen, droht nun also auch noch der soziale Druck. Nichtraucher klagen mit Erfolg auf freien Luftraum, wie jener Taxifahrer in Stuttgart, dem das Stuttgarter Oberlandesgericht am 26. Juni 1974 bestätigt hat, die Rücksicht eines Fahrgastes erfordere in aller Regel mindestens, "daß der Raucher den Nichtraucher gegen dessen ausdrücklichen Willen nicht in die von ihm erzeugte Raucherluft mit einbezieht". Bisher galt es bereits als hohes Maß an Rauchertoleranz, wenn in Versammlungen und Konferenzen darüber abgestimmt wurde, ob geraucht werden dürfe oder nicht. Auch damit soll es vorbei sein. Der Bielefelder Rechtsanwalt Adolf Wischnath, ein militanter Kämpfer des Ärztlichen Arbeitskreises Rauchen und Gesundheit, ist der Meinung, daß eine solche Abstimmung mit dem Artikel 2 des Grundgesetzes nicht vereinbar sei, denn das Recht auf körperliche Unversehrtheit rangiere vor dem Recht auf freie Persönlichkeitsentfaltung. Der erste Nichtraucherkongreß, für den der Ärztliche Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit (68 Mannheim 1, Maybachstraße 14–16) federführend war, hat das Signal zu-politischen Aktionen gegeben. In einer bundesweiten Unterschriftensammlung sollen diese Forderungen bekräftigt werden:

1. Rauchverbot am Arbeitsplatz als Nichtraucherschutz und im Gesundheitsinteresse der Raucher selbst; Rauchen soll nur noch in besonderen Räumen gestattet sein.

2. Absolutes Rauchverbot in Krankenhäusern und Schulen.

3. Rauchverbot in Speisegaststätten und Speisewagen, soweit eine räumliche Trennung der Raucher nicht möglich ist. Rauchverbot in sämtlichen Verkehrsmitteln ohne Raucherabteil sowie in Gängen vor Nichtraucherabteilen.