DIE ZEIT

Die nötige Reform

Ein gutes halbes Jahr ist seit der Verhaftung des DDR-Agenten Günter Guillaume vergangen. Noch ist die Anklage gegen ihn nicht erhoben.

Hilflos in die Rezession

Der Koalitionskrach wird nicht stattfinden. Noch gibt es zwar in der Konjunkturpolitik Meinungsverschiedenheiten zwischen Tauben und Falken, zwischen Wirtschaftsminister Friderichs und seinem Kanzler.

Wenn der Terror Schule macht

Inflation, Arbeitslosigkeit, defizitäre Handelsbilanzen – man kennt diese Sorgen; sie lasten auf jedermann. Allenthalben ist der wirtschaftliche Wohlstand gefährdet, und die Zukunft sieht nicht gerade rosig aus.

Worte der Woche

"Indem sie ihre eigene Charta in den Staub treten, indem sie sich wilder Gewaltanwendung unterwerfen, Rechtlosigkeit, Unmenschlichkeit und Heuchelei begrüßen, haben die Vereinten Nationen sich in einen Abgrund gestürzt, aus dem es kein Entrinnen gibt.

Zugriff nach Mitternacht

Die Aktion begann im Morgengrauen. In nahezu allen Bundesländern – vor allem in den Großstädten Hamburg, Frankfurt und München – rollte in der Nacht zum Dienstag die bislang größte Fahndungsaktion der Bundesrepublik ab: präzise und minutiös.

Zeitspiegel

Der Fragebogen, mit dem das neue "Kindergeld für alle" bei den Arbeitsämtern beantragt werden muß, ist den Bonner Bürokraten so perfekt gelungen, daß die sechs Millionen Bezugsberechtigten ihn nicht kapieren.

In der Schußlinie: Kurt Scharf

Nun soll der Bischof Kurt Scharf wieder an fast allem schuld sein: Daran, daß sich in der Stadt die Anarchie ausbreitet, daß der Kammergerichtspräsident von Drenckmann erschossen wurde, daß in der Kirche ein Notstand ausgebrochen ist.

Mit der Bibel für Karl Marx?

Die Verhaftung der Sozialhelferin Undine Zühlke und des Vikars Cornelius Burghardt scheint die Polizei bei der Aufklärung des Mordes an Kammergerichtspräsident von Drenkmann auch nicht viel weiter zu bringen.

Wenn Brasilien Glück hat

Der Himmel ist groß über dem Hochland von Goiás, blau und voller Cirrus-Wattebäusche. Größer ist nur die Steppe, die sich ringsum dehnt, Hunderte von Kilometern weit bis zu den nächsten Siedlungen, über tausend Kilometer bis an die beiden Zehnmillionenstädte der Küste, Rio de Janeiro und São Paulo, über zweitausend bis hinauf zum Amazonas oder hinunter nach Rio Grande do Sul.

Holzweg zum Desaster

An Rezepten für die Wiederbelebung der Europäischen Gemeinschaft hat es in letzter Zeit nicht gemangelt. Sie wurden allesamt ausgeschrieben in dem Glauben, daß das Siechtum des Neuner-Klubs mit kräftigen Dosen von Einsicht und gutem Willen zu kurieren sei.

Wienands Abgang

Für Herbert Wehner war es ein Canossa-Gang; doch ob er ihm Absolution einbringen wird, ist zu bezweifeln: Er, der sein politisches Schicksal noch vor Jahresfrist ausdrücklich mit dem von Karl Wienand verbunden hatte, mußte nun die Öffentlichkeit darüber informieren, daß der skandalumwitterte, seit vier Monaten beurlaubte und dennoch weiterbesoldete SPD-Fraktionsgeschäftsführer sein Bundestagsmandat an die Partei zurückgeben werde.

Wolfgang Ebert: Ein kleines Tollhaus

Nachdem die UN-Vollversammlung mit 112 zu 3 Stimmen, bei 28 Enthaltungen, den Ausschluß Israels beschlossen hatte – der Bonner Delegierte entschuldigte sich für seine Stimmenthaltung bei den arabischen Staaten mit unseren "besonderen Beziehungen" zum jüdischen Staat –, kam es zu einem Zwischenfall.

Zweierlei Recht?

Der Anlaß kam nicht ungelegen. Hinter einer breiten öffentlichen Woge des Abscheus über die brutale Ermordung des Berliner Kammergerichtspräsidenten von Drenkmann feuert die CDU wieder einmal ihre Torpedos gegen Peter Merseburger, den Hauptabteilungsleiter Zeitgeschehen beim Norddeutschen Rundfunk und Leiter der "Panorama"-Redaktion.

Dauertief in Düsseldorf

Dem Essener Kranführer Keitel hat der Verlust des Arbeitsplatzes den Spaß an seiner Stammpartei genommen. Bei der Landtagswahl im nächsten Jahr will er einmal ausprobieren, "ob es die anderen nicht besser machen können".

Tanaka wirft das Handtuch

Der seit hundert Jahren erste Besuch eines amerikanischen Präsidenten in Japan wurde politisch zur letzten Ölung für Ministerpräsident Kakuei Tanaka.

Lügendetektor für Nixon

Expletive deleted – Zwischenstück ausgelassen. So steht es lakonisch hundertfach in den inzwischen schon legendären Tonbandprotokollen, die der ehemalige amerikanische Präsident Nixon am 30.

Keine Mittel für Machtpolitik

Ein Jahr nach dem jüngsten Nahostkrieg wird immer deutlicher, wie gespannt die Zwangslage Israels zwischen Krieg und Frieden ist; auf die Dauer für Israel unerträglich und international unhaltbar.

Durchbruch für Salt?

Neue Signale aus Wladiwostok? Präsident Ford und Leonid Breschnjew haben weitere Schritte in Richtung einer Begrenzung des atomaren Wettrüstens angekündigt.

Nicht an Zypern vorbei

Nur eine einzige Veränderung hatte Athens Militärdiktatur im Parlamentssaal vorgenommen: Die Obristen ließen schalldämpfende Teppiche spannen; sie entsprachen der Friedhofstille, die hier sieben Jahre lang herrschte.

Jahresgutachten: Grenze: 9 Prozent

Die "Fünf Weisen" haben in ihrem Jahresbericht "zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung" vor zusätzlichen Sonderprogrammen zur Ankurbelung der Konjunktur gewarnt.

Razzien gegen Extremisten

Unter den Festgenommenen ist der Hamburger Rechtsanwalt Wolf-Dieter Reinhard, der Mitglieder der Baader-Meinhof-Gruppe verteidigt.

Japan: Rücktritt Tanakas

Nach einer Amtszeit von 28 Monaten ist der japanische Ministerpräsident Tanaka am Dienstag zurückgetreten – unter "Schmach und Verwirmng", wie er es selbst formulierte.

Ende des Wettrüstens?

Henry Kissinger sprach von einem "Durchbruch" und das Weiße Haus von einem der "bemerkenswertesten Übereinkommen seit Ende des Zweiten Weltkrieges".

Hinrichtungen in Äthiopien

Die äthiopische Revolution ist nicht mehr unblutig. Die Militärregierung gab am Wochenende die Hinrichtung von 60 bekannten Politikern, Militärs und Beamten bekannt, weitere 200 Personen sind vermutlich ebenfalls ermordet worden.

Einseitige UN-Resolutionen

"Dies sind traurige Tage für die Vereinten Nationen." Mit diesen Worten reagierte der israelische UN-Botschafter Tekoah auf die beiden Palästina-Resolutionen vom Wochenende.

Bremer Matrosen-Urteil

Es handele sich um drei prächtige Menschen, sagte Verteidiger Hans Möring. Zwei der drei Prächtigen müssen nun lebenslang hinter Gitter.

Rangeln um die Richtung

Es geschah vor fünf Jahren. Der hessische Finanzminister Albert Osswald hatte gerade die Nachfolge des schwererkrankten Ministerpräsidenten Georg Zinn angtreten und war nun dabei, sein erstes Kabinett zusammenzubasteln.

Zahn gezogen?

Wenige Minuten vor Mitternacht ging Dienstagnacht der Stern der Münchener Jusos unter. Nach mehr als fünfstündiger Debatte nahm der Unterbezirksparteitag der Münchener SPD mit knapper Zweidrittelmehrheit jenes siebenseitige Schlichtungspapier an, das unter Federführung des Landesvorsitzenden, Hans-Jochen Vogel als Konsequenz aus der Wahlniederlage und als Kompromiß zwischen den widerstrebenden Flügeln der SPD ausgehandelt worden war.

Melancholie ist sein Parfüm

Für ihn, sagt André Heller, für ihn sei das "ein Riesenkrampf, wenn ich über Biafra oder Vietnam schreibe, und ich habe meinen eigenen Notstand noch nicht bewältigt".

Die neue Schallplatte

Nach der Gesamtausgabe der Schubert-Lieder hat sich Dietrich Fischer-Dieskau eine neue komplette Sammlung vorgenommen: Hugo Wolfs Lieder – ein vielleicht noch komplexeres Unternehmen; sind doch Textinhalte und musikalische Form weit komplizierter, geheimnisvoller, vieldeutiger, ist das Wechselspiel von Wort und Ton, von Stimme und Instrument, von Harmonik und Linie weit schwerer durchschaubar, aber eben auch wesentlicher.

Rotznäsig und weise

Es war schon dunkel im Theater. Man hatte dem jungen scheuen Gitarristen zugehört; ich hing noch klängetrunken dem grad verrauschten Solo nach, da traf mich eine Erbse an den Kopf.

Zeitmosaik

Nun sitzt zutiefst im Deutschen die leidige Angewohnheit, nicht in Individuen, sondern in Ständen, in Korporationen zu denken und aufzutreten, und wehe, wenn du einer dieser zu nahe trittst.

Unterschiedlich durchgeführt

Bereits 1960 in der "Rahmenvereinbarung" von Saarbrücken haben die Kultusminister a’ler Bundesländer ihre Absicht bekundet, die Obersekunda und die beiden Primen, also die 11.

Der Einser von Plön

Also, ich finde die neue Oberstufe prima", sagt Martin Wehling, und dabei strahlt er über sein ganzes schmales blasses Gesicht.

Nichts Gutes über Tataren

Die Gründung der exilrussischen Zeitschrift "Kontinent" ist in sowjetischen Schriftstellerkreisen mit Interesse vermerkt worden, Sie wird auch unter den Funktionären des Schriftstellerverbandes mit Bedacht diskutiert: einmal abwehrend und negativ kritisch, zum anderen aber auch unter dem Gesichtspunkt, ob damit nicht ein Anlaß gegeben sei, eigenen sowjetischen Literaturzeitschriften ein höheres Niveau zu geben, sie auch für ausländische Literaten attraktiver und "fündiger" zu machen.

Satiren müssen richtig sein

Die Firma Siemens ist gegen den Schriftsteller F. C. Delius und seinen Verleger Wagenbach vor Gericht gegangen wegen einer Satire, deren Qualität Jonathan Swift standhält: "Unsere Siemens-Welt – Eine Festschrift zum 125jährigen Bestehen der Firma S.

Kunstkalender

Es handelt sich um die postume Premiere eines malerischen Werks in der Bundesrepublik, das in Paris und in Prag häufig gezeigt und in seiner Bedeutung erkannt wurde.

Vorschule der Nation

Ernie und Bert sind die Besten, und die "Sesamstraße" ist fast schon ein Mythos. Ich habe mir ein Wochenende lang (von Freitag bis Sonntag) angesehen, was sich die beiden deutschen Fernsehanstalten für fernsehende Kinder ausdenken und bin dabei dem großen Vorbild immer wieder begegnet – gerade in den guten, den mindestens gutgemeinten Sendungen.

Lebenslängliche von Santa Fu

Die Insassen der Strafanstalt Hamburg-Fuhlsbüttel, die Santa Fu genannt wird, spielen Gericht. Sie konstruieren einen Prozeß, bei dem drei "Lebenslängliche" die Rollen der Angeklagten übernehmen und ihren eigenen tatsächlichen Fall noch einmal aufrollen: Nach einer Zechtour hatten sie einen Seemann beraubt und umgebracht.

Filmtips

Simmel international: Im teuersten deutschen Film des Jahres spielen immerhin Marthe Keller, Raymond Pellegrin und der gräßlich indisponierte Maurice Ronet.

Die Playback-Krankheit

Das sollte nicht einfach ein "Star-Porträt" werden, sondern etwas ganz anderes, Besonderes. Ein Porträt ist es denn auch nicht geworden – sondern die exemplarische Demonstration der Playback-Krankheit eines Fernsehregisseurs.

Dokumentation um jeden Preis

Nein, ich kann mich nicht erinnern, jemals etwas Ähnliches auf dem Bildschirm gesehen zu haben: etwas, das so grausam, niederderträchtig und empörend war.

Im Licht und Schatten der Farbe

Wenn es um ihren Turner geht, dann werden die Engländer sehr deutlich: Von einem "Genie erster Klasse" ist die Rede (Kenneth Clark in "Civilisation"), vom "unzweifelhaft größten Maler, den England je hervorgebracht hat" (Evelyn Joll in der "Times"), von dem Anlaß für ein kleines "patriotisches Hochgefühl" (Nigel Gosling im "Observer") und schließlich auch davon, daß nur ein Engländer vor Turner, daß nur William Shakespeare von vergleichbarem Talent gewesen sei (Lawrence Gowing in der "Sunday Times").

Arbeiten nur im Team

Sie nennen sich selbst einen "bunten Haufen". Denn meistens treten sie im Team an, in dem vom Architekten bis zum Forstwirt, vom Volkswirt bis zum Geographen eigentlich jede Fachrichtung vertreten ist.

Klagen von heute – Klagen von gestern

Die Bilder gleichen sich: 1967 litt die von Karl Schiller und Franz Josef Strauß betriebene Politik der Konjunkturbelebung daran, daß die Gemeinden nicht genug Geld investieren konnten – oder wollten; 1975 droht Helmut Schmidts Konjunkturmachern das gleiche Übel.

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