Im Laufe der Weltgeschichte geschieht es hin und wieder, daß Soldaten zugejubelt wird. Ganz soweit ist es neulich in Paris nicht gekommen, aber fast soweit. Sichtlich schlugen die Herzen des Volkes beim Anblick der Soldaten höher.

Streik der Müllabfuhr. Der Abfall türmte sich auf den Trottoirs und bildete übelriechende Barrikaden. Im Zentrum konnte von "strahlender Lichterstadt" keine Rede mehr sein. Paris faulte vor sich hin.

Laßt Zahlen sprechen: Normalerweise werden dreitausend Tonnen Müll täglich zu den Verbrennungs- und Verwertungsanstalten in den Pariser Vororten hinausgefahren. Drei Tage nach dem Ausbruch des Streiks hieß es: Freiwillige vor!

Und tatsächlich trafen dreitausend Soldaten, zum Teil aus den französischen Standorten in Deutschland, in Paris ein und bemannten die fünfhundert leerstehenden Müllfahrzeuge. Am ersten Tage ihres Einsatzes schafften sie, wenn man dem Heeresbericht glauben darf, nur zweitausend Tonnen aus der Stadt, das heißt, die Soldaten waren den Professionals unierlegen, sei es, daß sie sich in Paris nicht genug auskannten, sei es, daß auch bei dieser Arbeit gewisse Handgriffe erst gelernt werden müssen. Drei Tage später die erste Siegesmeldung: Die Müllsoldaten sammelten mehr als dreitausend Tonnen, und diese Leistung blieb konstant.

Die wackeren Soldaten haben also Auszeichnungen verdient. Aber wie sieht so etwas aus? Und wie trägt man es? As Bändchen im Knopfloch für den militärischen Alltag? Und soll es für Festtage etwas "Festeres" sein: Müllorden, am Hals herauszutragen?

Vor dem Palais Bourbon, dem Abgeordnetenhause, tauchten an einem Vormittag vier liesige Müllwagen auf. Mit glitzerndem Rotlicht und offenstehenden Hinterklappen, an denen rechts und links je ein Soldat in strammer Haltung auf einem Trittbrett stand. Der Chauffeur des ersten Wagens hatte sich offenbar verfahren. Jetzt korrigierte er den Irrtum und setzte zu einer pathetischen Kurve an. Dem ersten Wagen folgten die anderen diszipliniert und in selbstbewußter Haltung, ohne dem zivilen Verkehr Schaden zuzufügen.

Von den Leuten, die Schlange standen, um Eintritt zu den Tribünen des Parlamentes zu erhalten, klemmten viele die Handtaschen unter den Arm und die Aktenmappe zwischen die Knie und klatschten Beifall. Andere riefen "Bravo!" Möglich auch, daß einige Buh-Rufe ausstießen. Wenn dies aber geschah, so geschah es auf französisch – Bou! – und ganz leise, praktisch unhörbar.

Insgesamt bleibt der Eindruck haften, daß wenig fehlte, und man hätte in Paris wieder einmal siegreichen Soldaten zugejubelt.