Neu In Museen und Galerien:

Bochum: "Joseph Sima"

Es handelt sich um die postume Premiere eines malerischen Werks in der Bundesrepublik, das in Paris und in Prag häufig gezeigt und in seiner Bedeutung erkannt wurde. Im Katalog der Bochumer Ausstellung findet man eine Bibliographie, die fünf Seiten umfaßt, sowie ein Aufgebot großer Namen, die Enthusiastisches und Treffendes über Sima geäußert haben. Ein Dutzend renommierter Museen, darunter das Pariser Musée National d’Art Moderne, haben Bilder nach Bochum ausgeliehen, wo Peter Spielmann 260 Arbeiten aus den Jahren 1921 bis 1971 versammelt hat. Sima ist als junger Maler von Prag nach Paris gegangen, um den Kubismus an der Quelle zu studieren, und ist dabei in den Umkreis des Surrealismus geraten. Er gehörte zur Gruppe des "Grand Jeu", deren philosophische, künstlerische und poetische Aktivitäten in Deutschland ziemlich unbekannt geblieben sind. Im Sinne des "Grand Jeu" versucht Sima, mystische Erfahrungen zu konkretisieren, die Landschaft als "Doppel-Landschaft" darzustellen, in der sich mehrere Realitätsschichten überlagern: eine abbildliche, eine mythologische, eine emotionale machen zusammen das Bild aus. (Museum Bochum, bis zum 5. Januar 1975, Katalog 18,– DM)

Braunschweig: "Robin Page"

Er kam aus den Wäldern Kanadas, die Axt des Holzfällers über der Schulter, um dem Faß den Boden auszuschlagen, und hat sich binnen weniger Jahre zum Entertainer und professionellen Spaßmacher auf der bundesdeutschen Kunstszene entwickelt Er amüsiert die Snobs und das große Publikum, geht auch mal in die Provinz mit seiner brillanten Show, die eher freundlich als boshaft moderne Kunstkonzepte und Tendenzen persifliert. Ein Naturbursche mit universaler Bildung, der mit Mister Michelangelo telephoniert, dessen Telephon aber nur zur Hälfte aus dem Marmorblock herausgearbeitet ist – viel manueller und Materialaufwand für einen relativ mäßigen Witz. Nach bewährter Methode werden Malerei und Realität zum wort- und bilderspielerischen Objekt kombiniert: Page, als blinder Sänger, greift in die gemalten Speichen des Fahrrads, das vor dem Bild steht, wobei das gemalte Vorderrad durch eine reale Gitarre ersetzt ist. Dubios wird der Spaß, wenn sich Page mit Axt und Säge über Magritto hermacht. Mit weit über hundert Nummern die bisher größte Page-Revue, vorher war sie in Düsseldorf. (Kunstverein, bis zum 5. Januar 1975, Katalog 7,–DM)

Köln: "Auktion Lempertz – Kunst des XX. Jahrhunderts"

Mit etwa 700 Katalognummern ist das Angebot bei weitem nicht so umfangreich und, speziell auf dem Gebiet der klassischen Moderne, auch nicht so spektakulär wie in den vergangenen Jahren. Von Nolde etwa werden diesmal nur 6 Aquarelle versteigert, die Schätzpreise liegen zwischen 20 000 und 75 000 Mark. Dafür gibt es eine ganze Reihe recht ungewöhnlicher und entlegener Objekte, etwa die "Flamingos" von Max Ernst, das übermalte Photo nach einer Collage, datiert 1920 (70 000 Mark) oder ein Landschaftsaquarell von Max Beckmann, "Meeresküste mit Segelschiffen" von 1934 (60 000 Mark). Beckmann-Aquarelle sind ohnehin selten und in dieser Qualität ein Novum auf dem Kunstmarkt Von Campendonck wird ein Glasfenster angeboten, der Entwurf für die Kirche "Maria im Grünen" (14 000 Mark). Zu den Seltenheiten gehören ferner Aquarelle von Hannah Hoch und Oskar Moll, eine Holzplastik von George Minne. Die heute wieder beliebten Naiven sind mit Trotin und Nikifor vertreten. (Versteigerung am 4. Dezember, Kunsthaus Lempertz, Katalog 15,– DM) Gottfried Sello