Ist das Gesundheitswesen der Bundesrepublik noch zu retten?

Von Frank Matakas

Der rheinland-pfälzische Sozialminister Geissler hat kürzlich offiziell verkündet, was Kenner seit langem erwarteten: Die Ausgaben für die Krankenversicherungen, in diesem Jahr noch 43 Milliarden Mark, werden in nur vier Jahren 100 Milliarden-Mark betragen. Nicht mitgerechnet sind dabei die Ausgaben aus den öffentlichen Haushalten, zum Beispiel für Krankenhausneubauten. In vier Jahren, wird – wenn es so weitergeht wie bisher – der Sozialversicherte 13 Prozent seines Bruttoeinkommens an die Krankenkassen abführen.

Angesichts dieser enormen Kostensteigerungen wird man sich fragen, ob die Leistung der deutschen Medizin diesen Kosten entspricht. Die Antwort lautet nein. Unser Gesundheitssystem ist zwar eines der teuersten der Welt und rangiert dennoch, was seine Leistungen angeht, etwa gegen Säuglings- und Müttersterblichkeit, an sehr schlechter Position. Und wenn sich die Kosten nach Sozialminister Geissler in vier weiteren Jahren verdoppeln werden: die Qualität kann sich in dieser Zeit nicht verdoppeln. Das Tragische oder Groteske an dieser Situation ist, daß die deutsche Medizin durchaus zu einer sehr viel besseren Gesundheitsversorgung in der Lage wäre.

Mehr noch, die dringlichen, aber bislang immer verschleppten Reformmaßnahmen, die das System der Gesundheitsversorgung in der Bundesrepublik verbessern können, würden es zugleich erheblich billiger machen. Darin liegt auch die Chance für unsere Politiker. Um sie wahrzunehmen, braucht es nur etwas Mut, um dem Widerstand der einzigen Gegner einer grundsätzlichen Reform, der Ärzteverbände und der pharmazeutischen Industrie, standzuhalten.

Eine Reform des Gesundheitswesens, wenn sie den drohenden Kollaps verhindern soll, wird alle Bereiche des Gesundheitswesens betreffen müssen: ambulante Versorgung, Krankenhäuser, öffentliche Gesundheitsämter, Betriebsarztsystem, pharmazeutischer Markt. Wir wollen uns im folgenden jedoch auf die Krankenhäuser beschränken. Es sind einige wenige, aber wichtige Dinge, die hier verändert werden müssen.

Die durchschnittliche Verweildauer in unseren Krankenhäusern ist zu lang. Sie beträgt etwa 22 Tage; in Universitätskliniken, die doch ihre Patienten sicher nicht schlecht behandeln, durchschnittlich nur etwa 15 Tage. Über die Ursache dieser langen Verweildauer ist viel geschrieben worden. Aber es ist auch längst geklärt, wie man sie verkürzen kann, ohne die Behandlung der Patienten zu verschlechtern.