Die Elementarteilchenphysiker in aller Welt stehen in diesen Tagen auf dem Kopf: Ein Transatlantikgespräch folgt dem anderen, da Telegramme zuviel Zeit benötigen, um den jeweils letzten Stand der Forschungsergebnisse schnell genug zu verbreiten. Was ist geschehen?

In zwei der großen amerikanischen Hochenergie-Beschleunigerzentren, am Brookhaven National Laboratory in Upton (New York) und am Stanford Linear Accelerator Center in Stanford (Kalifornien) ist unabhängig voneinander ein neues Elementarteilchen mit möglicherweise spektakulären Eigenschaften entdeckt worden.

Kurze Zeit später konnte es auch in der Speicherring-Anlage DORIS des Deutschen-Elektronen-Synchrotron (DESY) in Hamburg nachgewiesen werden.

Die Entdeckung neuer Elementarteilchen gehört an und für sich zum täglichen Brot der Elementarteilchenphysiker. Zu den bekannten "klassischen" Teilchen wie Elektronen, Neutronen und Protonen haben sich mit Hilfe der in vielen Teilen der Welt errichteten Hochenergie-Beschleuniger in den letzten Jahrzehnten einige hundert neue Elementarteilchen zugesellt.

Die verschiedenen Sorten von Teilchen werden nach ihren Eigenschaften unterteilt, wie Masse (also Gewicht), elektrische Ladung und magnetisches Moment, um nur einige zu nennen. Erzeugt werden die Teilchen gemäß der von Albert Einstein aufgestellten Äquivalenzformel E = m • c hoch 2 (in Worten: Energie ist gleich dem Produkt aus Masse und dem Quadrat der Lichtgeschwindigkeit). Diese Formel kann vereinfacht so verstanden werden, daß aus Energie Masse entstehen kann und umgekehrt.

In Hochenergiebeschleunigern werden die Atombausteine Elektronen und Protonen mittels elektrischer Felder auf derart hohe Energie beschleunigt, daß aus ihrer Energie beim Zusammenprall mit Materie neue Teilchen geschaffen werden. Im Laboratorium geht das so vonstatten, daß hinter den beschossenen Materialien komplizierte Nachweisgeräte aufgebaut sind, die die neu erzeugten Teilchen im Hinblick auf ihre Eigenschaften analysieren.

Aus der Einstein-Formel folgt, daß je höher die Energien der beschleunigten Teilchen sind, desto schwerere Teilchen erzeugt werden können. Dies ist einer der Gründe dafür, daß in den letzten Jahren immer größere Forschungsanlagen errichtet wurden: Man hofft mit noch viel höheren Energien neue, noch unbekannte Teilchensorten zu entdecken.