Von Rainer Frenkel

Stolz erklärt Robert A. Lutz: "Jeder zweite Deutsche weiß davon." Er meint seine erste Aktion: die Verdoppelung der Neuwagen-Garantie.

Im Frühjahr sollen weitere Coups folgen, über die im Ford-Haus gegenüber dem Köln-Deutzer Bahnhof zwar noch striktes Stillschweigen gewahrt wird, die jedoch "mindestens so starkes Interesse der Öffentlichkeit finden" sollen wie die Garantieverdoppelung und obendrein so "ostentativ vernünftig" sein, daß man ihren Sinn nicht erst erläutern müsse.

Lutz, seit wenigen Wochen Vorstandsvorsitzender der Ford-Werke AG, demonstriert so, daß er gewillt ist, in Köln das Steuer herumzureißen, um das Unternehmen aus der Absatzkrise hinauszuführen. Wichtigste Voraussetzung für den Wiederaufstieg, so diagnostizierte der neue Ford-Chef, der einst bei Opel und dann bei BMW den Verkauf dirigierte, ist eine nachhaltige Aufbesserung des angeschlagenen Marken-Images. Und da seine Statistiker herausgefunden hatten, daß die Ford-Modelle – anders als noch vor einem Jahr – im Durchschnitt weniger Garantieleistungen erfordern als die Autos der Wettbewerber, verdoppelte er kurzerhand die Garantie.

Schuld an dem Verfall des Marken-Image ist die "englische Krankheit". In den frühen sechziger Jahren hatten sich die Kölner Autobauer mit der "Linie der Vernunft" einen Namen gemacht. Doch dann bestimmten die Manager der in England angesiedelten Europazentrale Ford Europe, welche Autos in Deutschland gebaut und verkauft werden sollten. Die Kölner mußten Autos nach englischem (Escort) oder amerikanischem Geschmack (Capri, Taunus, Consul/Granada) auf den deutschen Markt schicken: bauchig-barock, mit viel Chrom und anderem Zierrat – und vielen Krankheiten. Das Marken-Image verdarb, und die Zulassungszahlen sanken wieder.

Seinen "lieben Mitarbeitern" versprach Lutz nun in einem 22-Zeilen-Antrittsartikel in der Werkzeitung: "Der Vorstand der Ford-Werke AG wird auf die Gestaltung und Auslegung aller zukünftig in der Bundesrepublik verkauften Ford-Modelle den entscheidenden Einfluß nehmen können." Und er versicherte: "Der Vorstand hat den Willen, den Einfluß und auch die Kompetenz, Ford in Deutschland zum Erfolg zurückzuführen."

Das ist eine klare Sprache. Zumindest verstehen die besonders geplagten Ford-Händler es so. Sie erkennen – so Rudolf Wendt von der Stuttgarter Schwabengarage, Europas größtem Ford-Händler – "endlich wieder eine Agitationsphase". Und meinen: "Nur der kann uns retten, weil er weiß, was die Händler brauchen": Autos nach deutschem Geschmack.