Im Jahre 1970 begann der Signal-Verlag mit dem Lexikon der Politik "Gesellschaft und Staat" (von Käthe Strobel beanstandeter Jugenbuchpreis), sich einer neuen Zielgruppe zuzuwenden – zum Zweck politischer Orientierung und Information. Die Linie setzt der Verlag dieses Jahr konsequent mit zwei Titeln fort. Der erste –

"Politische Theorien und Ideologien", herausgegeben von Franz Neumann; Signal-Verlag, Baden-Baden; 370 S., Pp. 26,– DM, Ln. 32,–DM

enthält elf Handbuchartikel zu den heute wesentlichen, miteinander konkurrierenden politischen Theorien von Liberalismus und Konservativismus über (bürgerliche) Demokratie und Kapitalismus bis zu den verschiedenen Theorien des Marxismus und Sozialismus. Das hat man bisher wohl noch nicht in einer so gedrängten und übersichtlichen Form beieinander gefunden – das ging aber auch nicht immer ohne gewisse Vereinfachungen ab, die allerdings explizit begründet und entschuldigt werden. Der Vereinfachungstendenz ist besonders der Artikel "Kritische Theorie- und Ideologiekritik" zum Opfer gefallen.

Niemand wird erwarten, daß Gegenstände dieser Art sine ira et studio darstellbar wären. Und so schält sich denn auch als gemeinsamer Standort der Autoren, so unterschiedlich sie methodisch vorgehen, eine Position heraus, die man als marxistisch-radikaldemokratisch ohne Dogmatismus und "kritisch nach allen Seiten" umschreiben könnte. Historische Versuche zur Konkretisierung und Realisierung der Ideologien in der politischen Praxis gehören eigentlich nicht zum Thema des Buches, doch fließen sie glücklicherweise gelegentlich mit ein, so etwa die politische Entwicklung der Bundesrepublik.

Leider fehlt es an einer begriffsklärenden grundsätzlichen Auseinandersetzung mit dem Ideologiebegriff und den verschiedenen Ideologietheorien; dazu gibt es nur ein paar Randbemerkungen im Nachwort des Herausgebers, etwa: "Der Ideologiebegriff sollte allein für falsches, aber gleichwohl in einer bestimmten historischen Situation sozialer Gruppen und Klassen notwendiges Bewußtsein vorbehalten bleiben." Zwar wird so ein weiter Ideologiebegriff abgelehnt; wird er jedoch – wie hier – für jede Mischung partieller Richtigkeit und partieller Unrichtigkeit in der Wiedergabe der Realität reserviert, so fragt man sich, ob es dann überhaupt, wie unterstellt wird, unideologische Aussagen geben kann.

Erfreulich, daß man Erläuterungen zu Begriffen wie "formierte Gesellschaft" und "Stamokap" findet, weniger erfreulich, daß "revisionistische" Kommunismus-Theorien wie die von E. Fischer und Garaudy nicht einmal erwähnt werden. Der Zugang zur soziologischen und politologischen Fachsprache der Artikel ist nicht immer leicht, so daß in erster Linie Oberstufenschüler, Studenten und Lehrer als Benutzer in Frage kommen. Das zweite Buch –

Lutz Dietze/Karlernst Hess/Hans-Georg Noack: "Rechtslexikon für Schüler, Lehrer, Eltern"; Signal, Baden-Baden; 336 S., 32,– DM