Polizeirazzien im ganzen Bundesgebiet endeten am Dienstagmittag mit zehn Festnahmen und der Beschlagnahme umfangreichen Materials, das auf linksextremistische Aktivitäten deutet.

Unter den Festgenommenen ist der Hamburger Rechtsanwalt Wolf-Dieter Reinhard, der Mitglieder der Baader-Meinhof-Gruppe verteidigt. Gegen ihn erging Haftbefehl. Er soll angeblich den Fememord an dem Berliner Studenten Ulrich Schmücker gutgeheißen, die Tatbeteiligten zu falschen Aussagen veranlaßt und sogar einen Anteil an der Beute von Raubzügen gefordert haben – mit dem Argument, die Verteidiger gehörten auch zur "Bewegung".

Auch der steckbrieflich gesuchte 29jährige Dieter Hartmann wurde festgenommen, ferner Christa Ensslin, die Schwester der zum "harten Kern" der Gruppe gehörenden Gudrun Ensslin.

Wie Generalbundesanwalt Buback mitteilte, wurden bei den Durchsuchungen verschlüsselte Aufzeichnungen, Chemikalien zur Herstellung von Sprengstoff, ein Plan für einen Banküberfall oder eine Geiselnahme, Bilder von Beamten des Staatsschutzes, Kennzeichen von Polizeifahrzeugen, Skizzen und Photos vom Flugplatz Bonn-Hangelar und Aufzeichnungen über eine Strafvollzugsanstalt gefunden.

Bundesjustizminister Vogel erklärte am Dienstag, "daß der Zusammenhalt und die Funktionsfähigkeit der Baader-Meinhof-Vereinigung nach vorliegenden Erkenntnissen mit Hilfe einzelner Anwälte aufrecht erhalten wird".

Die Anwälte der Gruppe nannten die Polizeiaktion vor der Presse "einen weiteren Höhepunkt in der Eskalation von Maßnahmen gegen Baader-Meinhof-Verteidiger".

Rechtsanwalt Otto Schily, dessen Büro nicht durchsucht worden war, befürchtet "eine Verunsicherung der Mandanten, die jetzt nicht mehr sicher sein können, daß die Vertraulichkeit ihrer Aussagen gegenüber ihren Anwälten gewährleistet ist".