Von Jan Kurzok

Rübezahl kann noch immer (oder schon wieder) recht ungestört durch sein Reich stapfen: Das Riesengebirge (polnisch: Karkonosze) – nach wie vor ein beliebtes und gesundes Reiseziel für in- und ausländische Touristen – ist einsam: Es fehlen Hotelbetten. Rund 90 Prozent der aus deutscher Zeit übriggebliebenen Ferienplätze sind gegenwärtig für Polens Werktätige von den Gewerkschaften und den Großbetrieben ganzjährig belegt. Frei verfügbar sind nur knapp 6000 Betten, größtenteils in privaten Quartieren. Ein polnischer Journalist kritisierte den Bettenmangel: "Das Riesengebirge könnte heute für Polen eine der lohnendsten Devisenquellen sein, wenn wir die vielen westlichen Besucher, die gern in die schlesischen Berge kommen möchten, aufnehmen könnten."

Immerhin: man plant und handelt. Zur Zeit werden in den einzelnen Gebirgsorten mehrere Hotels gebaut, sogar mit ausländischen Baufirmen, um das Tempo zu beschleunigen.

Doch bleiben wir bei der Gegenwart, Wie sieht es augenblicklich im Reiche des sagenumwobenen Berggeistes aus, was findet der Tourist heute vor?

Dem Autofahrer fällt auf, daß die Straßen in einem durchweg guten Zustand sind. Eine der meistbefahrenen Verkehrsadern zwischen Hirschberg und Schreiberhau (Szklarska Poreba) ist verbreitert worden und umgeht die Orte Bad Warmbrunn (Cieplice Zdroj), Hermsdorf (Sobieszow) und Petersdorf (Piechowice).

Dadurch wird die Anfahrt in das westliche Riesengebirge, von wo aus die Bergwanderungen zum 1365 Meter hohen Reif träger (Szrenica) beginnen, erheblich verkürzt. Auch die Straßen von Hirschberg nach Schmiedeberg (Kowary) und Krummhübel (Karpacz) sind glatt asphaltiert, breit, gut beschildert und bieten darüber hinaus faszinierende Ausblicke auf die Bergketten der Umgebung: im Osten der Landshuter Kamm, im Westen das Isergebirge und im Süden das sich majestätisch erhebende Riesengebirgsmassiv mit seinem höchsten Gipfel, der Schneekoppe (Sniezka), die 1605 Meter hoch ist.

Als Besonderheiten des Riesengebirges gelten die aus der Eiszeit stammenden rund 200 Meter tiefen Kessel, die sogenannten Schneegruben, mit ihren steilen Felswänden, die über 1200 Meter hoch gelegenen Seen (Großer und Kleiner Teich genannt), sowie die vielen Wasserfälle der noch kristallklaren Gebirgsbäche, dessen bekanntester der Zackelfall mit der berühmten Zackelfallklamm bei Oberschreiberhau sein dürfte. Unübersehbare Tannenwälder umrahmen die hochgelegenen kahl wirkenden Bergkämme, wo bestenfalls noch Zwergkiefern oder gar nur Knieholz gedeihen. Die in 1400 Meter Höhe und darüber verlaufenden Kamm-Wanderwege, die übrigens gut markiert sind, werden von imposant wirkenden zerklüfteten Felsgruppen gesäumt und verleihen der kargen Landschaft dort oben einen unbeschreiblichen Zauber.