Wenn die Oper Gegenstand öffentlicher Diskussionen wird, ist das in aller Regel ein Symptom dafür, daß es ihr schlecht geht – reine Theaterereignisse, sie mögen noch so bedeutend sein, pflegen politische oder andere maßgebliche Gremien unserer Gesellschaft kaum zu tangieren.

So hat in Nordrhein-Westfalen eine Strukturkommission des Landtages wieder einmal festgestellt, daß die kommunalen Kulturetats der Theaterstädte bis an die Grenzen des Möglichen belastet sind. Es hat aber auch, zum erstenmal, die Landesregierung eine praktische Konsequenz aus dieser Erkenntnis gezogen: Sie will sich in Zukunft zu dreißig Prozent an den Betriebskosten der kommunalen Bühnen und Orchester beteiligen; die dafür notwendige zusätzliche Summe von rund 27 Millionen Mark soll aus den Zuwendungen, die die Kommunen aus dem Finanzausgleich erhalten, zweckgebunden umverlagert werden, so daß in Zukunft auch die Städte, die kein eigenes Theater unterhalten, auf Umwegen die Subventionen mitbezahlen.

Eine Gruppe von SPD-Landtagsabgeordneten hat einen noch rigoroseren Plan ausgearbeitet. Nach ihrem "Studienpapier" sollen nur noch die Städte Köln, Düsseldorf/Duisburg, Wuppertal und Dortmund eine eigene, allerdings finanziell und damit künstlerisch kräftig aufzuwertende Oper haben; in Bielefeld und Oberhausen müßte das Musiktheater ganz eingestellt, an den restlichen Bühnen rigoros reduziert werden.

Nun könnten in der Tat einige bislang beinahe unter Ausschluß der breiteren Öffentlichkeit arbeitenden, ihren Abonnentenstamm nur durch dauerndes Betätigen lautstarker Reklametrommeln ins Parkett zwingenden Theater, wenn überhaupt, dann vielleicht durch Spezialisierung wieder an Terrain gewinnen: als hochwertige Kammeroper etwa oder als Experimentalbühne. Aber solange nicht einmal die Finanzierung eines für sieben Ruhrgebietsstädte arbeitenden "Sekretariats für gemeinsame Kulturarbeit" gesichert ist, braucht man auf eine effektive Strukturreform kaum auch nur vage zu hoffen.

In Hamburg wiederum will ein hartnäckiges Gerücht wissen, der Senat denke an eine Fusion der Opern von Hamburg und Paris unter einem gemeinsamen Intendanten Rolf Liebermann. Aber abgesehen von den so gänzlich anderen Praktiken (Hamburg: Repertoire-Theater mit siebzig ständig paraten Stücken, Paris: Stagione-Betrieb; Hamburg: Ensemble-Theater mit Stargästen, Paris: ad hoc-Ensemble) – Rolf Liebermann beteuert: "Es gibt zwischen dem Senat und mir überhaupt keinen Kontakt." Also keine Fusion?

Eines allerdings werden – im Ruhrgebiet wie in den Theatermetropolen – die ständig bedrohlicher werdenden Arbeitszeitverkürzungen schon bald erzwingen: einen Produktionsaustausch. Schon in wenigen Jahren wird, wenn die gewerkschaftlichen Forderungen nach immer kürzeren Arbeitszeiten weiter erfüllt werden, ein Theater nur noch zwei neue Produktionen pro Jahr herausbringen können. Nur von zwei oder mehr Theatern gemeinsam erarbeitete und dann ausgetauschte Kreationen werden den Arbeitskräfte- und Zeitmangel noch ausgleichen können: Chor und Orchester werden an Ort und Stelle einstudiert vom selben Kapellmeister; die Solisten bleiben dieselben; während in einem Haus schon gespielt wird, instruieren Regisseur und Assistenten am anderen Technik und Beleuchtung, Chor und Statisten; das Bühnenbild wird auf gemeinsame Verwendung hin konzipiert. Nur ein Schrumpfprozeß oder eine Kooperation wird noch helfen können – oder die Theater werden an ihrer eigenen künstlerischen Auszehrung sterben müssen. Heinz Josef Herbort