Der Flucht in den Franken haben die Schweizer einen Riegel vorgeschoben: Strafzinsen für Ausländer.

In höchster Bedrängnis griffen die Schweizer Währungshüter zu ungewöhnlichen Maßnahmen: Ausländer, die ihr Geld kurzfristig in der Schweiz anlegen wollen, werden mit Negativzinsen von drei Prozent pro Quartal bestraft. Rückwirkend vom 31. Oktober 1974 an, so beschlossen die schweizerische Bundesregierung und die Nationalbank in der vergangen Woche, soll die Suche eidgenössischer Sicherheit ein Zuschußgeschäft werden.

Der Grund: Eine Flut anlagesuchender Petrodollars und – so vermuten Zürcher Bankiers – Fluchtgelder aus Italien, Frankreich und der Bundesrepublik – überschwemmten seit Anfang November die Kreditinstitute des Landes. Wie hektisch die von politischen Spannungen im Nahen Osten und der Rezession in den Vereinigten Staaten erschreckten Anleger in den Schweizer Franken flüchteten, läßt sich am Kurs des US-Dollar ablesen: Von 2,90 Franken in der ersten Novemberwoche rutschte er innerhalb weniger Tage auf 2,60 Franken.

Damit ergab sich im Vergleich zu 1971 eine Aufwertung des Frankens gegenüber dem US-Dollar von fast 65 Prozent. Im Verhältnis zu den wichtigsten Haupthandelspartnern errechneten die Bankiers eine Verteuerung der Exportpreise von über 40 Prozent. Die Schweizer fürchteten nun schlechtere Exportchancen für ihre Industrie. Stützungskäufe der Notenbank, so ihr Chef Fritz Leurwiler, seien wegen der enormen Beträge überhaupt nicht zu bezahlen. Sie hätten außerdem zu einer Aufblähung des inländischen Geldvolumens geführt und den Kampf gegen die Inflation – Preissteigerungsrate im September 1974 im 11,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat – illusorisch gemacht.

Die dirigistischen Maßnahmen sind den Eidgenossen nichts Neues. Ein Verzinsungsverbot für Auslandsgelder war erst am 16. Oktober dieses Jahres aufgehoben, ein Experiment mit Negativzinsen vor einem Jahr abgebrochen worden. Damals galt ein Strafzinssatz von zwei Prozent im Quartal. Die Differenz zwischen Schweizer Negativ-Zinsea und möglichen Positiv-Zinsen in anderen Ländern betrug immerhin zwanzig Prozeitpunkte.

wdm