Tourismus in Malaysia: "Wir haben aus den Fehlern der anderen gelernt

Von Kai L>. Eichstädt

Ich hätte wirklich einen triftigen Grund, meinen ersten Ausflug in den Dschungel in schlechter Erinnerung zu behalten: Verschwitzt und dreckig war ich nach einer dreistündigen Wanderung in das Bungalow-Camp Kuala Tahan zurückgekehrt. Als ich vor der Dusche meine schlammverschmierten Wanderstiefel ausgezogen hatte, sah ich sie: 16 Stück; zehn Blutegel am linken Fuß, sechs Blutegel am rechten Fuß – platzevoll mit meinem Blut. Eine eklige Bescherung.

Dabei waren wir vorgewarnt worden. Im Prospekt über die Nationalparks von Malaysia steht geschrieben, daß man sich für Wanderungen in den Dschungel "leech proofed" kleiden soll. Ich dachte, diese Empfehlung müsse etwas mit dem in Malaysia üblichen Tropenregen zu tun haben und kaufte mir deshalb im Warenhaus extra eine gummierte Windjacke. Woher sollte ich auch wissen, daß "leech" im Englischen nichts anderes heißt als Blutegel. "Leech proofed" steht entsprechend für kniehohe Schnürstiefel aus Leinen mit Gummisohle, auch jungle boots genannt, in die man die Hosenbeine einstecken kann. Nur so ist man einigermaßen sicher vor den blutgierigen Tierchen, die übrigens völlig harmlos sind, selbst der Biß ist ganz und gar schmerzlos. Trotz der blutigen Erfahrung fahre ich irgendwann einmal wieder nach Kuala Tahan. Dann allerdings allein.

Meine Reisegefährten nämlich fanden wenig Gefallen am malaysischen Dschungel. Sie machten aus ihrer Enttäuschung keinen Hehl und mäkelten darüber, daß es keine Tiere zu sehen gab. Offenbar hatten sie fest damit gerechnet, im Nationalpark von Elefanten, Tapiren und Tigern empfangen zu werden. Schließlich war aufregende Fauna im Prospekt angekündigt – es stand allerdings auch zu lesen, daß die Tiere des Dschungels sehr scheu sind und um Menschen einen weiten Bogen machen. Nun, mich hat es absolut nicht gestört, daß ich in der ersten Nacht nur zwei Hirsche vom Hochstand beobachten konnte. Auch fand ich die vielen, mir unbekannten Vögel interessant, oder die phantastischen Schmetterlinge, die Schildkröten, die Fischottern und die Wasserbüffel.

Am meisten beeindruckte mich der Dschungel mit all seinen fremden unheimlichen Geräuschen. Bei Tag schreit, pfeift und quakt es fast unaufhörlich. Plötzlich ist es dann totenstill, so daß einen schon ein Blatt, das vom Baum fällt, auffahren läßt. In der Nacht sorgen Frösche oder Kröten dafür, daß der Dschungel hörbar bleibt. Wir waren nur zwei Tage in Kuala Tahan. Gerade Zeit genug für eine Trimm-Dich-Wanderung auf einem glitschigen Dschungelpfad, für eine abenteuerliche Bootsfahrt durch reißende Stromschnellen und eine Nacht auf dem Hochsitz. Wer Lust hatte, konnte zwischendurch im lehmfarbenen Fluß angeln oder baden.

Wir waren nicht die ersten Gäste in Kuala Tahan. Viele vor uns hatten ihre Dschungelerlebnisse im Gästebuch verewigt. Zwei Besucher waren sogar dem König des Dschungels begegnet – im Gästebuch steht: "Really I saw the tiger." Andere hatten Affen, Tapire, Wildschweine und Schlangen beobachtet. Manche von ihnen saßen nächtelang mucksmäuschenstill auf dem Hochstand, bevor sich ein Tier blicken ließ.