München

Wenige Minuten vor Mitternacht ging Dienstagnacht der Stern der Münchener Jusos unter. Nach mehr als fünfstündiger Debatte nahm der Unterbezirksparteitag der Münchener SPD mit knapper Zweidrittelmehrheit jenes siebenseitige Schlichtungspapier an, das unter Federführung des Landesvorsitzenden, Hans-Jochen Vogel als Konsequenz aus der Wahlniederlage und als Kompromiß zwischen den widerstrebenden Flügeln der SPD ausgehandelt worden war. Bis zuletzt sträubte sich der Münchener Juso-Vorsitzende Dieter Berlitz mit Verfahrenstricks, Haarspaltereien und einem urplötzlich hervorgezauberten Dringlichkeitsantrag gegen die Friedensformel, der Parteichef Willy Brandt bereits Tage zuvor im Fall der Annahme "Signalwirkung über Bayern hinaus" bescheinigt hatte.

Schließlich siegten doch noch die Argumente der Besonnenen. Sie warnten vor einer "Rundum-Isolation" der Münchener SPD. Feindschaft und Haß zwischen den verfeindeten Genossen sollten begraben werden.

Das Papier wurde mit einem Anhang gebilligt, der eine harte Nuß für den künftigen Parteifrieden enthält: die im Schlichtungspapier ausgesprochene Empfehlung an die 320 Parteitagsdelegierten, ihr Mandat zurückzugeben und neuen Delegiertenwahlen den Weg zu ebnen, wird an die Schiedskommission des Bezirks Südbayern zur rechtlichen Begutachtung verwiesen. Eigentlich sollten die Delegierten ihren Rücktritt schon jetzt mit Zweidrittelmehrheit erklären. Bei den dann fälligen Neuwahlen hoffte der gemäßigte Parteiflügel – als Schockwirkung aus dem Wahlergebnis – auf eine Mehrheit zu seinen Gunsten. In ein paar Monaten dürfte die freilich kaum noch möglich sein. Rolf Henkel