Postanleihe wenig über 10 Prozent

Mit der neuen, über 600 Millionen Mark lautenden Anleihe der Deutschen Bundespost geht die Zinssenkung auf dem deutschen Kapitalmarkt weiter. Der Nominalzinssatz ist zwar bei zehn Prozent geblieben, dafür ist die Laufzeit gegenüber der letzten zehnprozentigen Anleihe um ein auf acht Jahre verlängert worden; außerdem wurde der Ausgabekurs auf 99,5 Prozent erhöht Dadurch ergibt sich nur noch eine Rendite von 10,09 Prozent Im Dezember soll es noch eine Bundesanleihe geben. Experten gehen davon aus, daß auch Ihr Nominalzinssatz bei zehn Prozent liegen wird. Der Ausgabekurs dürfte jedoch schon auf 100 Prozent und die Laufzeit möglicherweise auf zehn Jahre festgesetzt werden.

Durststrecke für VW-Aktien

Viele Börsenexperten warnen engagiert davor, den jetzigen Kurs der VW-Aktie von etwas über 70 Mark je 50-Mark-Aktie als Kaufkurs anzusehen. Im jüngsten Zwischenbericht ist sorgsam die Höhe des bisher aufgelaufenen Verlustes verschwiegen worden. In Börsenkreisen geht man davon aus, daß der in diesem Jahr entstehende Verlust mehr als die Hälfte des 900 Millionen Mark betragenden Aktienkapitals betragen wird. Der neue Aufsichtsratsvorsitzende Birnbaum hat eingeräumt, daß das Volkswagenwerk mindestens ein halbes Jahrzehnt brauchen wird, um wieder voll auf die Füße zu kommen. Der neue Dollar-Kurs-Verfall erschwert das, denn jeder Pfennig, um den der Dollar-Kurs gegenüber der Mark sinkt, bringt dem Wolfsburger Unternehmen Millionen an Mindereinnahmen. Gleichwohl gibt es Diskussionen, ob es nicht unter Inanspruchnahme der Reserven möglich sein könnte, auch für 1974 wieder eine Dividende zu zahlen. Eine Ausschüttung liegt nicht im Interesse des Unternehmens, das jeden Pfennig zusammenhalten muß, um über die Runden zu kommen. Wenn der Kurs für die VW-Aktie vergleichsweise hoch ist, dann scheint das an einigen Großanlegern zu liegen, die es versäumt haben, sich rechtzeitig von ihren Aktien zu trennen und jetzt den Kurs zu stützen suchen. Kleinanleger sollten ihre VW-Aktien in Thyssen-Aktien tauschen.

Hohe Rendite bei Thyssen

Die August Thyssen-Hütte AG wird für 1973/74 (30. 9.) eine Dividende von 7 (5) Mark je 50-Mark-Aktie ausschütten. Da die Aktie zu 69 Mark erhältlich ist, errechnet sich bei ihr eine Rendite von 10,1 Prozent. Das ist auf dem deutschen Aktienmarkt absolute Spitzenklasse! Der niedrige Kurs der Thyssen-Aktie hängt auch mit dem immer noch laufenden Angebot an die Rheinstahl-Aktionäre zusammen, zwei Rheinstahl-Aktien gegen eine Thyssen-Aktie zu tauschen. Außerdem erhalten die Rheinstahl-Aktionäre einen Barbetrag von 40 Mark je ausgegebener Thyssen-Aktie. Durch diese Transaktion hat sich der Markt der Thyssen-Aktie erheblich verbreitert; denn längst nicht jeder Rheinstahl-Aktionär hat die Absicht, Thyssen-Aktionär zu werden. Unter diesen Umständen sind auch in Zukunft rasche Aufwärtssprünge bei der Thyssen-Aktie kaum zu erwarten.

Hohe steuerfreie Renditen

Wer die Zinsen festverzinslicher Wertpapiere versteuern muß, findet in den niedrig verzinslichen Emissionen des Rentenmarktes noch interessante Papiere. So verweist die Vereins- und Westbank in Hamburg auf die 6prozentigen Pfandbriefe der Deutschen Schiffahrtsbank (Ausgabe "P"), die bei einer 50prozentigen Steuerbelastung eine steuerfreie Rendite von etwa 6,23 Prozent bringt. Basis dieser Rechnung ist ein Kurs von 94 Prozent. Die Schiffspfandbriefe werden am 2. Januar 1977 in einer Summe zurückgezahlt. Eine noch kürzere Restlaufzeit ergibt sich bei den 6prozentigen Kassenobligationen von 1972 der Landwirtschaftlichen Rentenbank. Sie werden am 1. August 1975 getilgt und bringen eine steuerfreie Rendite von 5,80 Prozent. Kurs 98 1/3 Prozent. Aber auch ohne Berücksichtigung der Steuern sind diese Papiere interessant, denn bei ihnen beträgt die Bruttorendite 8,85 Prozent. Dabei ist das Kursrisiko eingeengt.