Teure Aufklärung

Der Fragebogen, mit dem das neue "Kindergeld für alle" bei den Arbeitsämtern beantragt werden muß, ist den Bonner Bürokraten so perfekt gelungen, daß die sechs Millionen Bezugsberechtigten ihn nicht kapieren. Sie müssen deshalb jetzt mit Millionenaufwand aufgeklärt werden, wie sie die Bogen auszufüllen haben. Die Gebrauchsanweisung wurde mit Hilfe einer Anzeigenserie unter das Volk gebracht, die die Summe von 3,5 Millionen Mark verschlang. Aber die Bundesregierung scheint auch dieser Hilfestellung zu mißtrauen, denn der Anzeigenserie folgt nun ein Faltblatt für alle Haushalte. Die Kosten dieser zweiten Aufklärungsaktion sind noch unbekannt.

Billige Beförderung

In einem zweibändigen Gutachten über die ressortbezogene Osteuropaforschung kommt der Präsident des Bundesrechnungshofs, Schäfer, zu einem vernichtenden Urteil: Sinn- und planlos würden verschiedene Institute zwar vom Bund gefördert, ihre Arbeitsergebnisse aber nicht beachtet. Auf Grund dieses Gutachtens sperrte der Haushaltsausschuß in den Forschungsetats aller Ministerien (ausgenommen den des Forschungsministeriums) 20 Prozent der für 1975 vorgesehenen Ausgaben, um ein geschlossenes Forschungskonzept zu erzwingen. Auch die Kritik an der großzügigen Beförderungspraxis für höhere Bonner Beamte hat gefruchtet. Die meisten Ministerien haben die kostenlosen Fahrdienste unterhalb der Abteilungsleiter eingestellt. Alle Pkw-Neuanschaffungswünsche der Ressorts wurden gestrichen.

Giscards Sterne sinken

In Frankreich ist Pessimismus à la mode. Drei von vier Franzosen sind davon überzeugt, daß sich die wirtschaftliche und politische Lage ihres Landes verschlechtern wird; 63 Prozent glauben sogar, in zwei, drei Monaten könnte eine offene Krise wie im Mai 1968 ausbrechen. Im September galt Giscard d’Estaing noch als Mann der Stunde: 54 Prozent der Franzosen trauten ihm eine Lösung der anstehenden Probleme zu, jetzt sind es nur noch 42 Prozent. Die Gegner des Präsidenten haben keinen Grund zur Schadenfreude: Auch das Ansehen des Sozialisten Mitterrand und des Kommunisten Marchais ist zurückgegangen. Allein Michel Jobert, der Mann über den Parteien, konnte sich die Sympathie der Franzosen ungeschmälert erhalten.

Gottloses Zeitalter