Jetzt stellt sich heraus, daß das diesjährige Sozialwahlergebnis doch nicht nur ein reiner Personenwechsel war. Denn die sogenannten "Mitgliedergemeinschaften", die überraschend den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) aus den Spitzengremien der großen Angestelltenversicherungen vertrieben, üben nun ihre Vormacht aus. Erstes sichtbares Ergebnis: die fristlose Entlassung und Abberufung des bisherigen stellvertretenden DAK-Hauptgeschäftsführers Gerhard R. Becker.

Ein derartiger Schritt pflegt üblicherweise öffentlich begründet zu werden. Im Hamburger DAK-Haus schweigt man jedoch beharrlich. Vielleicht glaubt man, darüber werde wohl Gras wachsen. Gefragt, womit er denn bei dem zu erwartenden Arbeitsgerichtsprozeß diesen Schritt begründen wolle, antwortet Vorstandsvorsitzender Willy Korbat lediglich: "Es gibt, weiß Gott, genug Gründe." Becker selbst vermutet, daß man ihm aus seiner Zuständigkeit für die üppigen 200-Jahr-Feiern der DAK den Strick drehen will.

Wer aber wird der Nachfolger? Vielleicht ein Vertrauensmann des neuen Vorstands? Keiner weiß es. Fast vier Millionen Mitglieder der DAK erfahren nicht, wer sie künftig regieren soll. Ein schlechtes Beispiel.

Man wird die neugewählte Mannschaft künftig noch genauer beobachten.

ma