Welche Absichten verfolgen die Gründer des Bundesverbandes der Sozialversicherten?

Hans Katzer, Vorsitzender der CDU-Sozialausschüsse, ehemals Minister für Arbeit und Soziales, hieß die Männer und Frauen des neuen Verbandes willkommen und wünschte viel ‚Glück bei der Erreichung ihrer Ziele". Finanzminister Hans Apel widmete ihnen einen Beitrag über die Steuerreform aus eigener Feder. Und Wirtschaftsminister Hans Friderichs steht als nächster auf dem Programm, um dem BVS mit seinem Namen publizistische Schützenhilfe zu leisten.

"Endlich ist es soweit", loben sich die ehemaligen Versicherungskaufleute Georg Bollmann und Karl-Heinz Völpert, Vorstandsmitglieder des Bundesverbandes der Sozialversicherten (BVS) e. V. Hannover", selbst. Denn "Hand in Hand vereinigen sich Sozialversicherte aus allen Bevölkerungsschichten und Berufszweigen im Schutzverband der Sozialversicherten".

Was der "Bundesverband der Sozialversicherten" verspricht, ist in der Tat verlockend. Wer immer sich im Paragraphendschungel der Sozialgesetze hoffnungslos verstrickt hat, wer seine Rente zu spät oder überhaupt nicht bekommt, wer nicht weiß, wie er seine Ersparnisse sinnvoll in legen soll, wer es schwer hat, Kredite zu bekommen oder gar Probleme mit seiner Lohnsteuer hat, dem will der BVS zu Diensten sein. Das alles wird, sogar kostenlos geboten, sieht man vom Mitgliedsbeitrag ab. Und der ist niedrig. Mit 2,50 Mark im Monat – zahlbar für ein Jahr voraus – ist jeder dabei. "Werden Sie Mitglied – Einigkeit macht stark", so werben Bollmann, Völpert und Co. für ihren Verband.

Wie notwendig der BVS ist, schrieb Hans Katzer: "Das Haus unserer sozialen Sicherheit... hat viele Zimmer, lange Gänge und manche Nischen. Ohne sachkundige Wegweiser findet man sich darin nicht immer zurecht." Der neue Bundesverband will die notwendige Orientierungshilfe geben. Doch Zweifel an den hohen Zielen sind angebracht. Denn was der BVS bislang schriftlich und mündlich verbreitet, verwirrt.

Noch vor wenigen Wochen hatte der BVS erst knapp tausend Mitglieder. Vorstandsmitglied Völpert spricht jetzt von 6000 Mitgliedern. Auf den unwahrscheinlich rasanten Zuwachs in so kurzer Zeit angesprochen, gab Völpert dann zu erkennen, man habe erst jetzt den früheren "Interessenverband der Sozialversicherten" voll in den neuen Bundesverband integriert. Diese Auskunft hat einen Haken: Erstens ist der "Interessenverband" schon Gründungsmitglied des BVS und zweitens wurde dem Bonner Bundestag zwecks Registrierung in die amtliche Bonner Lobbyliste bereits im Frühjahr mitgeteilt, der "Interessenverband " heiße nun "Bundesverband".

Neue und potentielle Mitglieder gewinnen so den Eindruck, der Verband sei bereits groß und stark. Mitglied Georg Alker jedenfalls muß auf Grund seiner ihm zugeteilten Mitgliedsnummer 20 133 glauben, er befinde sich im sicheren Schoß einer großen Schar Gleichgesinnter. Völpert dazu: "Ach wissen Sie, das sind Seriennummern."