Eine Woche länger als bisher geplant werden die Finanzminister des Bundes und der Länder so tun können, als fiele es ihnen schwer, die bei der Bundesbank deponierten Mittel aus der Konjunkturausgleichsrücklage und der Stabilitätsabgabe – zusammen derzeit noch über neun Milliarden Mark – alsbald aufzulösen. Denn die dafür bestimmte Sitzung des Finanzplanungsrates wurde vom 6. auf den 13. Dezember verschoben. Das Ergebnis der Sitzung ist freilich programmiert: Der Staat wird das Geld ausgeben.

Schon jetzt haben zwei Länderfinanzminister, der Schwabe Robert Gleichauf und der Niedersachse Helmut Kasimier, ihre Anteile in den Etatentwurf von 1975 eingestellt. Kasimier: "Uns bleibt doch gar nichts anderes übrig." Sein Kieler Ministerkollege Gert Lausen ist unauffälliger verfahren: Seine Einnahmenrechnung für das kommende Jahr beruht auf längst überholten (da zu hohen) Steuerschätzungen aus dem Jahr 1973.

Bundesfinanzminister Hans Apel wird sich nicht sonderlich hart widersetzen. Er wird seine Zustimmung nicht von korjunkturpolitischen Erwägungen abhängig machen, sondern davon, daß die Länder den Bund dafür entschädigen, daß dieser künftig die Lasten des Kindergeldes allein tragen muß.

In einer Ansprache anläßlich einer Gesamtsitzung der Aufsichtsräte, Beiräte und des Verwaltungsrates des Gerling-Konzerns kurz vor den Bundestagswahlen 1972 führte Hans Gerling frei nach Martin Luther über sich selbst aus: "Ich kämpfe hier, wo ich stehe und lebe, und niemand kann mir meinen Standpunkt nehmen."

Zuvor hatte der Versicherungsunternehmer die Befürchtung geäußert, durch den Sozialismus und seinen überall sichtbar werdenden roten Faden werde die Unternehmerdynamik gelähmt. Gerling dann: "Die freie Wirtschaft kann keine Seide mehr für den König Verbraucher spinnen, wenn es ihr unmöglich gemacht wird, den roten Faden – an dem so viele spinnen – so wirksam zu verarbeiten, daß den Unternehmern daraus kein Strick gedreht werden kann, an dem sie schließlich aufgehängt werden. Das wäre nämlich genau das Ziel, das der radikale Sozialismus, aber auch unsere kommunistischen Nachbarn im Osten, zugestandenermaßen gern möchten: Womit ich gar nicht behaupten will, daß es nicht Unternehmer mit Todessehnsucht gibt, zu denen ich nicht gehöre,"

Unternehmerkollegen von Gerling meinen inzwischen, der Konzernherr müsse sehr wohl von Todessehnsüchten geplagt sein. Philipp von Bismarck, CDU-MdB, Unternehmer und Vorsitzender des Wirtschaftsrates der CDU, sagte, was er von dem "Hobbybanker" Gerling hält: "Im Fall Herstatt/Dr. Hans Gerling hat sich in erschreckender Form gezeigt, daß arroganter Cäsarismus eines Einzelnen der sozialen Marktwirtschaft mehr und nachhaltiger schaden kann als ein noch so militanter Sozialismus.

Die Suche nach einem Nachfolger für den amtierenden Präsidenten des Bundeskartellamtes, Eberhard Günther, konnte schon nach kurzer Zeit wieder eingestellt werden. Günther ist und bleibt Präsident. Gerüchte über seinen vorzeitigen Abschied kamen nicht von ungefähr. Es ist zwar nicht neu, daß immer wieder von Unstimmigkeiten zwischen Bonn und dem Bundeskartellamtgeredet wird.