Zwei Firmen wollen unter der gleichen Marke Geschäfte machen

Das Fernschreiben aus München war deutlich: "Bezugnehmend auf Anzeigen, die am 6. und 7. November ’74 in der SZ und am 7. und 8, Nov. in der FAZ von der französischen Firma Celine geschaltet wurden, möchten wir Sie freundlich und mit Nachdruck darauf hinweisen, daß eventuelle Anzeigen der gleichen Firma in ihrem Organ einer intensiven juristischen Prüfung unterzogen werden sollten." Grund: Der Absender des Fernschreibens genieße "als einzige Firma in Deutschland den Warenzeichenschutz für das Markenzeichen (Sulky) sowie den Markennamen Juschi’s Celine". Absender: Celine Herstellungs GmbH & Co Vertriebs KG, München.

Vorausgegangen waren Anzeigen der Firma Celine S.A. Paris in Süddeutscher Zeitung (SZ) und Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), in denen das französische Unternehmen "seine Kunden" benachrichtigt, in welchen Geschäften "die Sport- und Modekleidungen, die mit seinem Namenszug versehen sind und von seiner Mustersammlung herkommen", verkauft werden. Zusatz in den Anzeigen: "Celine hat keine Verkaufsvertreter in München und warnt vor Verletzungen."

Die Münchner Firma Juschi’s Celine konterte mit eigenen Anzeigen, in denen deren Handelspartner aufgezählt werden. Kuriosität: Eine Boutique in Rottach-Egern am Tegernsee wird bei beiden Celine-Firmen zitiert. Zusatz in den Anzeigen: "Die französische Firma Celine hat kein Warenzeichenrecht in Deutschland."

In der Tat kann die Münchner Celine einen Auszug aus der Zeichenrolle des Deutschen Patentamtes mit dem Sulky vorweisen (Datum 6. 9. 1974, Aktenzeichen: J 11572). Und auch das Warenzeichen Celine wurde am 6. 9. 74 (Aktenzeichen: J 11571) für Juschi’s Handelsgesellschaft beim Deutschen Patentamt eingetragen.

Mit dem Anzeigenkrieg ist der Fall Celine kontra Celine freilich erst in die Öffentlichkeit geraten. Der Streit zwischen beiden Firmen begann – so Jacques Ledermann, Direktor von Celine Paris – vor den Olympischen Spielen vor zwei Jahren in München. Damals soll sich der Münchner (Ledermann: "charmant, sehr selbstsicher, elegant im Auftreten") Wischmann bei Celine in Paris vorgestellt und sogleich eine Riesenmenge Celine-Ware (Lederbekleidung, Sportwear, Gürtel, Schuhe) im Werte von 800 000 Francs (rund 450 000 Mark) abgenommen haben.

Sie müssen wohl mit dem Wischmann-Geschäft zufrieden gewesen sein, denn als er in Paris um Exklusivität für Hamburg, München und Westerland vorstellig wurde, räumte ihm das französische Unternehmen die Depositärrechte vertraglich ein. Die Wischmann-Version dieses Vorganges indes weicht von der Pariser ab. So habe vielmehr das französische Unternehmen Peter Wischmann um die Übernahme der Exklusivrechte in den genannten Geschäften ersucht.