Kuwait, kleines Scheichtum am Nordwesteck des Persischen Golfes, gilt als Land der Superlative. Trotz geringer Öleinnahmen von 50 bis 60 Cents pro Faß gegenüber rund sieben Dollar (heute), entstand Ende der 50er Jahre auf dem unwirtlichen 17 818 Quadratkilometer großen Wüstenfleck ein Musterstaat mit einem fortschrittlichen Schul-, Gesundheits- und Sozialsystem. Seine auf derzeit 840 000 Einwohner geschätzte Bevölkerung, die zu mehr als der Hälfte aus "Gastarbeitern" besteht, die aus den benachbarten Ländern stammen, zählte 1972/73 mit einem statistischen Pro-Kopf-Volkseinkommen von 4746 Dollar zu den reichsten Ländern der Welt.

Motor für den Erfolg der Scheiche ist das Öl. Kuwait besitzt mit fast neun Milliarden Tonnen rund 10 Prozent der Welterdölvorräte. Davon förderte es 1972 rund 151 und 1973 etwa 138 Millionen Tonnen. Bei einem Ölpreis von 2,88 Dollar (am 1. Oktober 1973) hätte der Staat in der jüngsten fiskalischen Periode (März 1973/74) 1,7 Milliarden Dollar durch den Ölexport eingenommen. Nach den Preissteigerungen auf 11,545 Dollar (Posted-Preis vom 1. Januar 1974) sind es nach den Angaben der Kuwaitischen Zentralbank 6,9 Milliarden Dollar. Durch die Übernahme von 60 Prozent an der Kuwait Oil Company (je 20 Prozent BP und Gulf Oil) vom 29. Januar dieses Jahres gegen Zahlung von 112 Millionen Dollar, werden dem Land trotz der im Vergleich zu 1972/73 niedrigeren Förderrate im neuen Fiskaljahr noch mehr Devisen zufließen (etwa 8,4 Milliarden Dollar).

Von diesen Beträgen wird traditionell ein Drittel im Land, ein Drittel in der arabischen Welt und der Rest im nichtarabischen Ausland angelegt. 2,7 Milliarden Dollar sind für das laufende Jahr für den Import vorgesehen. Mit einer Importquote von 1192,8 Dollar pro Kopf der Bevölkerung ist Kuwait größter Importeur der Welt – vor Großbritannien mit 648,9 und Japan mit 352,2 Dollar. Die Bundesrepublik ist hinter Japan, den USA und Großbritannien der viertgrößte Handelspartner des Landes. jfr