Manager des zusammengebrochenen Stumm-Konzerns werden unseriöser Geschäftspraktiken verdächtigt.

Als Ende Oktober die Essener Stumm-Gruppe die Zahlungen einstellen mußte, schienen die Gründe dafür eindeutig: Müde gewordener Unternehmergeist der Besitzer hatte den traditionsreichen Konzern (14 000 Beschäftigte, 1,7 Milliarden Mark Umsatz) seit langem schon hinwelken lassen, Unfähigkeit der Manager schließlich das Ende forciert. Doch inzwischen fand sich eine weitere Ursache für den Zusammenbruch: unseriöse Geschäftspraktiken.

Seit Mitte November sitzen die drei ehemaligen Geschäftsführer der Essener Stumm Handel GmbH, Walter Maier, Herbert Hartmann und Theodor Nölken-Bockhoff, in Untersuchungshaft. Der Bochumer leitende Oberstaatsanwalt Walter Engwitz ermittelt wegen des Verdachts auf Betrug, Untreue und Konkursvergehen.

Unter schwerem Verdacht steht auch der einstige Stumm-Topmanager Leonhard Lutz, der bis Mitte Oktober Vorstandschef der Stumm AG und Aufsichtsratsvorsitzender der Stumm Handel GmbH war. Lutz ("Wir wandelten immer am Rande eines Grates") soll zusammen mit den drei Inhaftierten versucht haben, den Konzern mit unerlaubten Mitteln an sich zu bringen.

Um dem Stumm-Quartett auf die Spur zu kommen, hatte die Bochumer Staatsanwaltschaft in einem Rechtshilfeersuchen das Fürstentum Liechtenstein gebeten, mehrere Firmen in Vaduz nach Papieren "über geschäftliche oder private Beziehungen" zu den Stumm-Managern zu durchsuchen. Die Rechercheure wurden fündig. Das Fürstlich-Liechtensteinische Landgericht unterstützte den Verdacht: Lutz soll "erhebliche Bilanzverluste (etwa 60 Millionen Mark) den Aufsichtsrat der Stumm AG verschwiegen und es geduldet haben, daß die Beschuldigten eine frisierte Bilanz der Stamm Handel GmbH erstellten und verwerteten, die statt des Verlustes von rund 60 Millionen Mark einen Gewinn von rund 5 Millionen Mark aufwies".

Das ficht den Essener Vergleichsverwalter Reichel indes nicht an. Er hält einen Vergleich bei der Stumm AG und der Stumm Handel GmbH immer noch für möglich.

In unserem Artikel ‚Des ‚Königs‘ müde Erben" (ZEIT Nr. 45 vom 1.11. 1974), der den Zusammenbruch des Stumm-Konzerns analysierte, sind Franz Josef Ritter Hentschel von Gilgenheimb, München, und Casimir Prinz Wittgenstein, Frankfurt, irrtümlich zu Aktionären der Stumm AG gemacht worden. Ritter Hentschel von Gilgenheimb wie Prinz Wittgenstein legen auf die Feststellung Wert, zu keiner Zeit Aktionäre der Stumm AG gewesen zu sein. xs