Werner Pircher: "Ein halbes Doppelalbum"

Ein Spaßbösmacher, ein Bösspaßmacher, ein witziger, gescheiter, umwerfend musikalischer Mann. Sein Name ist Werner Pircher. Auf seinem selber gemachten, zuvor von 25 Plattenfirmen abgewiesenen "halben Doppelalbum" teilt der Tiroler mit, "Was wir über das Leben nach dem Tode wissen und fast 22 andere Lieder". Seine Themen sind, unter anderen, das Militär, der alpenländische Volkskörper Tirol, die Werbung, "eine Glaubensgemeinschaft", die Gegenwartsgesellschaft(en), die ewigen Werte und die "ungestümen Weltverbesserer". Für seine unvergleichliche Musik langt er virtuos nach barocker Festmusik mit Solo-MG, nach Weill-Songs und Schönberg-Sprechgesang à la "Pierrot Lunaire". Obendrein hat er einen außergewöhnlichen Aufnahmetechniker gefunden. So ein Schallplattenkabarett gab’s noch nie. (EMI-Electrola, wp numero eins, um 25 DM) Manfred Sack

Wishbone Ash: "There’s The Rub"

Ein neues Konzept legen Wishbone Ash nach dem Weggang ihres zweiten Leadgitarristen Ted Turner auf ihrem sechsten Album vor. Unter der Leitung von Bill Szymczyk am Mischpult (er produziert unter anderem auch die Platten von B. B. King und der J. Geils Band) präsentiert sich das britische Quartett endlich kompromißlos als eine der besten Hard Rock-Bands, die sie potentiell schon immer war. Entgegen seiner Neigung zu traditionalistischen Formen der populären Musik wie Boogie Woogie, Shuffle und Blues eliminierte Szymczyk hier alle früheren Folk- und Blues-Einflüsse. Dank seiner Produktionstechnik hat der Sound die undefinierbare "live"-Qualität. Für die Anhänger des Schwermetall -Rock: attraktiv. (MCA Coral 6.22075 AO)

Franz Schöler

Giuseppe Verdi: "Otello"

Kein Mitschnitt, keine Fixierung der Aufführung von den Salzburger Festspielen 1970, eher eine Nachproduktion mit in Nebenrollen neuer Besetzung – vor allem aber mit einem anderen Orchester. Herbert von Karajan intensiviert die Berliner Philharmoniker zu unwahrscheinlichem Brio wie zu höchst sensiblem Pianissimo – glanzvoller kann ein Opernorchester die Partie nicht bieten. Längst nicht so viel Enthusiasmus rufen die Solisten hervor. Am glücklichsten noch: Mirella Freni als Desdemona – für das Lied von der Weide und das Ave-Maria lohnt sich eine Highlight-Platte. Jon Vickers als Otello bleibt dagegen, vor allem in den Kraft-Phasen, einiges in der Intonation schuldig. Potentielle Käufer können sich extensiv informieren – Karajans Medienverbund macht’s möglich: Die Plattenfassung liegt dem Playback-Film zugrunde, der am Sonntag (8. Dezember) im ZDF läuft. Für Heimopern-Fans: akzeptabel. (Elektrola 165-02500/02, 66,– DM) Heinz Josef Herbort