Vor dem Parteitag der britischen Labour Party erklärte Bundeskanzler Schmidt im zweiten Teil seiner Rede:

"Laßt mich ein Wort zur Europäischen Gemeinschaft äußern. Nicht weil dies von nahezu allen kritischen Zeitungen vorausgesagt worden ist, sondern weil ich die Interessen und Erwartungen meines Amtes und meines Landes mißachte, wenn ich den Wunsch unserer deutschen Genossen unterdrücken würde, euch, britische Genossen, an unserer Seite in der Gemeinschaft zu sehen...

Wir wissen, daß eure Entscheidung noch in der Schwebe ist und daß sie von den Neuverhandlungen Harold Wilsons und Jim Callaghans und von einigem anderen abhängen wird. Ich will mich in eure Entscheidung nicht einmischen und ich werde nicht aus der Hüfte schießen, wie manch einer geraten hat. Aber... ich kann nicht völlig vermeiden, die Haltung eines Mannes anzunehmen, der Damen und Herren der Heilsarmee von den Vorteilen des Trinkens zu überzeugen sucht.

Alles, was ich wirklich zu sagen habe – auch auf die Gefahr hin, daß ihr den Saal verlaßt – ist, daß eure Genossen auf dem Kontinent euch (in der Gemeinschaft) behalten wollen, und ihr möchtet dies bitte bedenken. Wenn ihr von Solidarität sprecht, dann müßt ihr dies bedenken. Eure Genossen auf dem Kontinent glauben, daß dies ebenso in ihrem wie in eurem Interesse liege.

Natürlich ist Europa nicht nur ein Agrarproblem. Wir haben uns ebenso auf industrielles Wachstum und auf industrielle Kooperation zu konzentrieren. Meine Partei glaubt, daß die Vorteile der EG bisher größer sind als ihre Bürden. Insgesamt ist sie eine Organisation, deren Tempo und Richtung nur in Übereinstimmung all ihrer Mitglieder entschieden werden kann. Diese Übereinstimmung und die Zusammenarbeit brauchen wir, um die Krise des Weltwirtschaftssystems zu lösen.

Natürlich dürfen wir die Krise nicht überbewerten. Bisher ist es eine Rezession in der Weltwirtschaft. Eine Rezession ist eine Periode, in der man den Gürtel enger schnallen muß... Es gibt absolut keinen Grund für eine Panik. Statt dessen glaube ich, daß Zusammenarbeit, wenn wir sie zustande bringen, Vertrauen schaffen wird ...

Der Strom der menschlichen Geschicke wechselt. Nimmt man die Flut wahr, führt sie zum Glück. Versäumt man sie, so muß die ganze Reise des Lebens sich durch Klippen winden. Wir sind nun flott auf solcher See und müssen, wenn der Strom sich hebt, ihn nutzen. Wo nicht, verlieren wir des Zufalls Gunst."